Station: [10] Wohnzimmer des Königs
Sie sind im Wohnzimmer des Königs im Markgrafenturm. Dieser Raum gehört zu den einstigen privaten Wohnräumen des Königspaares, zur sogenannten Königswohnung.
Gleich auf dem runden Sofatisch liegt ein besonderes Buch. Es ist das Gästebuch der Burg Hohenzollern. Der erste Eintrag stammt vom 3. Oktober 1867. Er wurde anlässlich der Einweihung der dritten Burg durch König Wilhelm den Ersten von Preußen verfasst.
Rechts an der Wand sehen Sie ein Porträt dieses Königs. Es zeigt Wilhelm den Ersten kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1861. Er trägt den roten Galawaffenrock zu einer Gesellschaftsuniform des Regiments Garde du Corps. Dazu kommen die Collane des Schwarzen Adlerordens und das Band des englischen Hosenbandordens. Dessen Ritter war er seit 1814.
Hinter dem Gästebuch steht eine Farbfotografie. Sie zeigt den heutigen Chef des Hauses Hohenzollern und Eigentümer der Burg, Georg Friedrich Prinz von Preußen, mit seiner Ehefrau Sophie Prinzessin von Preußen. Das Foto entstand am Tag ihrer Hochzeit im Jahr 2011. Daneben sehen Sie Schwarzweißfotografien seines Vaters und seines Großvaters.
Das Wohnzimmer diente Wilhelm dem Ersten bei seinen seltenen Aufenthalten auf der Burg nicht nur als Wohnraum. Es war auch Arbeits- und Studierzimmer. Darauf weisen die persönlichen Gegenstände auf dem Schreibtisch hin. Dort liegt zum Beispiel ein kleines Buch mit Bibelversen, das der König und Kaiser stets bei sich trug. Auch die kleine Tischglocke erzählt vom Alltag. Mit ihr konnte er seinen Kammerdiener herbeirufen.
Die Fotografien auf dem Schreibtisch zeigen Mitglieder seiner Familie. Und wie in jedem Arbeits- und Schlafzimmer Wilhelms durfte auch hier ein Bild seiner Mutter nicht fehlen: Königin Luise von Preußen.
Über dem Durchgang zum Schlafzimmer sehen Sie deshalb ihr Porträt. Gemalt wurde es 1802 von der französischen Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun. Luise war wohl die berühmteste preußische Königin. Keine andere preußische Monarchin wurde so verehrt wie sie. Sie beeindruckte durch ihre Persönlichkeit und Schönheit. Und ihr früher Tod im Jahr 1810 bewegte viele Menschen.
Auch ihr Sohn Wilhelm der Erste verehrte seine früh verstorbene Mutter sein ganzes Leben. Besonders prägte ihn eine Erinnerung aus dem Jahr 1806. Nach der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt musste Königin Luise mit ihren Kindern nach Ostpreußen fliehen. Unterwegs brach ein Kutschrad. Die Reise wurde unterbrochen. Luise pflückte mit ihren Kindern auf einem Feld Kornblumen und flocht daraus Kränze. Wilhelm vergaß diesen Moment nie. Später wurde die Kornblume seine Lieblingsblume.
Wenn Sie nun zum kleinen Tisch am Fenster schauen, entdecken Sie diese Erinnerung wieder. Auf dem Glaskrug dort erscheint die Kornblume als Dekorationsmotiv. So verbindet dieser Raum politische Geschichte, Familienerinnerung und sehr persönliche Spuren des Königs auf stille, fast greifbare Weise.

