Station: [16] Empfangszimmer der Königin


Sie befinden sich im Empfangszimmer der Königin. Früher betrat man die Gemächer der Königin von hier aus – also genau entgegengesetzt zum heutigen Rundgang.

Der Raum fällt sofort durch seine Farben auf. Gelb, Rot und Blau bestimmen den Eindruck. Wenn Sie den Blick nach oben richten, sehen Sie unterhalb der Decke verschiedene weibliche Tugenden. Solche Tugenden waren ein beliebtes Dekorationselement. Sie verweisen oft auf eine vorwiegend weibliche Nutzung eines Raumes. Hier weist das auf die Nutzung durch Königin und Kaiserin Augusta hin. Auch auf der prächtigen Berliner Vase ist sie dargestellt.

Das Wort Tugend leitet sich von „taugen“ ab. Gemeint sind damit im Allgemeinen hervorragende Eigenschaften oder eine vorbildliche Haltung. Für dieses Empfangszimmer wählte man die Tugenden Glaube, Sanftmut, Treue, Kinderliebe, Fleiß und Beständigkeit. Das ist fast wie ein gemaltes Programm für die ideale Landesmutter. Und zugleich verrät es viel darüber, welches Bild man hier von einer Königin zeigen wollte.

Die Kaminseite des Raumes wird heute von zwei Gemälden beherrscht. Sie stammen vom Hofmaler Wilhelm Barth. Dargestellt sind zwei preußische Besitztümer: das Gut Bornstedt und das Schloss Rheinsberg. Ursprünglich hingen beide Bilder in Schloss Koblenz. Wilhelm I. und Augusta nutzten es vor allem in den Jahren vor ihrem Regierungsantritt als Sommerresidenz. 

Auch in den Fensternischen gibt es etwas, das man leicht übersieht. Dort stehen zwei Vasen aus dem Kaiser-Wilhelm-Palais. Auf den ersten Blick wirken sie wie Gefäße für Blumen. Doch genau das waren sie nicht. Diese nur nach oben offenen Vasen dienten als Goldfischbecken. Ein überraschender Gedanke: edle Vasen, aber keine Blumen, sondern Fische. Die Lichtundurchlässigkeit der Gefäße hatte dabei einen klaren Zweck. Sie sollte die kräftige Farbe der Goldfische möglichst lange erhalten.

Und falls Sie sich fragen, wie man das heute macht: Dem Goldfischfutter wird inzwischen Karotin zugesetzt, damit die Fische ihre Farbe nicht verlieren.