Station: [15] D – Duranglas: „Max + Moritz“

  • Glasmuseum Wertheim

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Wer kennt sie nicht – die bekannten Salz- und Pfefferstreuer „Max und Moritz“ des Bauhaus-Schülers, Professors und Industriedesigners Wilhelm Wagenfeld. Er entwarf sie 1953 für die in Geislingen ansässige Württembergische Metallwarenfabrik, kurz WMF. Wagenfelds Ziel war es, brauchbares Haushaltsgeschirr im funktionstüchtigen Design zu entwerfen: ohne überflüssige Schnörkel, geeignet für die Serienherstellung und für jeden Kunden leistbar.

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So zeigen sich auch „Max und Moritz“: Ihre Form verleiht Standfestigkeit. Die Verengung in der Mitte lockert Salz und Pfeffer auf und hält es damit streufähig. Die große Öffnung erleichtert das Einfüllen und der Steckdeckel lässt sich durch einfachen Druck abnehmen und wieder aufsetzen.

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Erstmals mit dem Werkstoff Glas auseinandergesetzt hat sich Wagenfeld in den 1930er Jahren, als er in Jena als künstlerischer Leiter für das Jenaer Glaswerk Schott und Genossen arbeitete. Seine Entwürfe wie das gläserne Teeservice, das Eierkochglas oder die Serie feuerfester Gemüse- und Backschüsseln waren Stil prägend und sind bis heute fast in jedem Haushalt zu finden.

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Unter dem Namen „Jenaer Glas“ fand in den 1920er Jahren das von Otto Schott erfundene Borosilicatglas, das Duranglas, Eingang in den Haushalt. Das transparente, extrem hitze- und temperaturbeständige Glas eroberte zuvor als „Jenaer Geräteglas“ die Laboratorien der Welt. Mit der Massenherstellung von Glaszylindern für die Petroleumlampe wurde Schott zum industriellen Großbetrieb. Doch mit der Einführung der Glühbirne bekam die Herstellung von Glaszylindern derartige Konkurrenz, dass neue Marktlücken gefunden werden mussten: Im Stil des Bauhauses entwarfen nun Designer wie Heinz Löffelhardt, Gerhard Marcks und Wilhelm Wagenfeld ein neues Haushaltsglas aus feuerfestem Jenaer Glas. Sie vermarkteten es unter dem Slogan „Vom Herd auf den Tisch“.