Station: [23] G – Guttrolfe

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Eine der wohl außergewöhnlichsten und rätselhaftesten Formen für Glasgefäße ist der Guttrolf. Der aus dem Lateinischen abgeleitete Name von „gutta“, der Tropfen, und „guttura“, die Kehle, erklärt den Zweck des Gefäßes: eine Flüssigkeit tropfenweise in die Kehle laufen lassen.

Sprecher

Die Guttrolfe des Glasmuseums sind das Herzstück der Sammlung. Sie bildeten in den 1940er Jahren den Anfang der Sammeltätigkeit des Museumsgründers Dr. Hans Löber. Die Gründung des Glasmuseums im Jahr 1976 geht auf ein fünfröhriges römisches Kännchen aus dem 3. oder 4. Jahrhundert zurück. Dessen Herstellungstechnik ließ dem Glasphysiker lange Zeit keine Ruhe. So entstand durch die Suche nach einer Lösung die wohl beachtlichste Guttrolf-Sammlung Deutschlands, mit über 30 Exemplaren aus verschiedenen Ländern vom 5. bis zum 19. Jahrhundert.

Sprecherin

Mit dem Glasapparatebläsermeister Leonhard Macholdt aus Wertheim ließ Löber die alten, in Vergessenheit geratenen Glastechniken wieder aufleben. Dazu zählte auch das Blasen eines mehrröhrigen Guttrolfs an der Gebläselampe. Ausschlaggebend für die Lösung dieses technischen Problems war ein Dokument über die Glashütten im Spessart von 1405. Es beschreibt eine Tagesproduktion von 300 kleinen Bechern und 200 Guttrolfen. Diese große Stückzahl zu fertigen, war nicht durch die bisher vermutete aufwändige Verschmelz- oder Montagetechnik einzeln gefertigter Röhren möglich. Es musste eine einfachere Handhabung geben: Dabei wird ein rundes Rohr viereckig gestaucht. Durch Saugen anstatt Blasen fallen die Wandungen so ein, dass insgesamt fünf Röhren entstehen. Durch erneutes Erwärmen ist eine Verdrehung in der Form möglich, so dass man glaubt, fünf Röhren seien am Hals entstanden.