Station: [24] G – Glas aus dem Spessart: Waldglas

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Der Spessart gehörte mit rund 150 Hüttenplätzen zu den bedeutendsten Glasmachergebieten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Die Glasmacher nördlich der Alpen produzierten in den großen Waldgebieten seit dem 14. Jahrhundert massenhaft grünes Waldglas: Becher, Römer, Passgläser, Daumenhumpen und Flaschen. Wegen des enormen Holzbedarfs standen die Glashütten mitten im Wald. Daher hießen die Hütten auch Waldglashütten. Das Glas, das in diesen Hütten hergestellt wurde, hieß Waldglas.

Sprecherin

Auffallendes Merkmal dieser Gläser ist die grüne Farbe, die auf Eisenoxyd-Anteilen im Sand beruht, dem Hauptrohstoff für die Glasschmelze. Dass Glas als Gebrauchsgegenstand damals noch sehr teuer war, lag vor allem an dem hohen Energiebedarf. Im Spessart wurde dieser bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich mit Holz gedeckt. Die Hütten benötigten Holz für die Glasschmelzöfen und für die Herstellung von Pottasche zur Senkung der Schmelztemperaturen. Pottasche stellten sie aus Buchenholz her. Riesige Holzmengen mussten teuer aus den umliegenden Wäldern eingekauft werden. Die Landesherrschaft verdiente also kräftig am Holzverkauf mit.

Sprecher

Um den enormen Energiebedarf anschaulich zu machen, hat die Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Freudenberg’sche Verwaltung dem Glasmuseum einen 200 Kilogramm schweren und 150 Zentimeter hohen Baumstamm aus Buchenholz mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern gestiftet. Lediglich ein Kilogramm Glas konnten die Spessarter Glasmacher damit herstellen. Daraus sind gerade einmal fünf kleine Becher entstanden. Heute würde man mit diesem Baumstamm 800 Kilogramm Glas erzeugen können, also die 800fache Menge von damals.