Station: [26] G – Glas aus Thüringen: Eichbaum

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Den Eichbaum mit Vögeln hat der Thüringer Arno Müller-Bauer um 1930 vor der Lampe gefertigt. Mit dem knorrigen Baumstamm aus grünen Farbglasstäben und den mit einer Zange geformten Blättern hat er das Charakteristische eines Eichbaums herausgearbeitet. Am meisten jedoch bestechen die aus einem Glasrohr geblasenen Vögel unterschiedlichster Art. Sie sind von solcher Naturtreue, dass man sie ohne weiteres identifizieren kann: Buntspecht, Bussard, Pirol, Rotkehlchen, Eule, Kohlmeise, Buchfink, Elster, Eisvogel, Kreuzschnabel und andere. 18 Stück sind es genau und ein Eichhörnchen.

Sprecherin

Die ersten Glashütten im Thüringer Wald waren Klosterglashütten, die im 12. Jahrhundert vornehmlich Glasscheiben für Klöster und Kirchen herstellten. Im 14. Jahrhundert fertigten die Glasmacher in den Waldglashütten erste Gläser und Flaschen. Mit der Verlagerung der Hütten vom Wald ins Dorf und der Einführung der Lampenarbeit um 1770 entwickelte sich in Thüringen eine florierende Heimindustrie. Aus bunten Glasstäben und Glasröhren entstanden insbesondere Motive aus der Tierwelt. Diese wurden als Nippesfiguren in alle Teile der Welt exportiert.

Sprecher

Zentrum der Lampenglas- und Christbaumschmuckindustrie wurde Lauscha. Zeitgleich entstand in Ilmenau ein Zentrum für technisches und pharmazeutisches Glas. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dann das Jenaer Glaswerk Schott & Genossen zum Weltkonzern für optisches und technisches Glas. Bis zum Zweiten Weltkrieg hielten die Thüringer Laborglasbläser ihre Vormachtstellung. Dann verlagerte sich mit dem Flüchtlingsstrom aus Thüringen das Zentrum der Laborglasindustrie nach Wertheim.