Station: [27] G – Glas aus Thüringen: Glasaugen

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Kurios und schaurig wirken die künstlichen Menschenaugen. Neben den Nippesfiguren zeigen sie jedoch auf eindrucksvolle Weise, dass die Thüringer Glasbläser bereits im 18. Jahrhundert auf medizinisch-technischem Gebiet der Kulturmetropole Paris den Rang abliefen.

Sprecher

1832 wurde der Würzburger Medikus Heinrich Adelmann auf die Glasaugen aufmerksam, die die Thüringer damals für Puppen und Stofftiere herstellten. Begeistert beauftragte er den thüringischen Glasbläser Ludwig Friedrich Müller-Uri mit der Herstellung künstlicher Menschenaugen für den deutschen Markt. Denn Pariser Glasaugen galten als Luxusartikel, hielten jedoch nur fünf Monate und hatten einen hohen Bleigehalt. Müller-Uri verwendete statt Blei Beinglas – Knochenasche von Tieren – zur Weißfärbung der Augen. Statt Schmelzfarben für die Iris fertigte er selbstgedrehte Glasstäbchen, die er auf den Glasgrundkörper aufschmolz. Die filigrane Maserung der Iris und die naturgetreuen Farben ließen die Glasaugen täuschend echt aussehen. Noch raute jedoch die Tränenflüssigkeit das Glas auf, so dass es nach einiger Zeit ausgewechselt werden musste. Dieses Problem löste Müller-Uri zusammen mit anderen Augenkünstlern erst 1886 durch das neu erfundene Kryolithglas. Es machte die neuen Thüringer Glasaugen beständig und leicht. Unsere Glasaugen wurden von der Würzburger Glasaugen-Firma Fritz Hellbach bzw. dem Wertheimer Glasaugen-Künstler Bruno Köhler gespendet.