Station: [28] I – Islamisches Glas

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Mit der Ausbreitung des Islams unter Muhammad entwickelte sich auf der Arabischen Halbinsel eine neue, eigenständige Glaskunst. Diese Epoche von 600 bis 1200 nach Christus wird „Islamisches Glas“ genannt. Sie orientierte sich an der bis dahin bestehenden römischen Glaskunst. In Europa entstanden zur gleichen Zeit die mittelalterlichen Waldglashütten, während sich Venedig zum führenden Glasherstellungszentrum Europas entwickelte.

Sprecher

Die Sammlung islamischer Gläser im Glasmuseum Wertheim umfasst 18 Exponate. Das älteste Stück ist eine Einhängelampe aus dem östlichen Mittelmeergebiet. Sie wurde im 6. bis 8. Jahrhundert gefertigt. Lichter- oder Moscheelampen spielen im Islam eine große Rolle und sind daher in der Sammlung islamischer Gläser des Glasmuseums am stärksten vertreten. Zurückzuführen ist dies auf Vers 35 der 24. Koransure: „Gott ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht gleicht einer Nische, in der sich eine Lampe befindet; die Lampe ist in einem Glase, und das Glas gleicht einem flimmernden Stern … Licht über Licht!“

Sprecherin

Ein einzigartiges Detail zeigt das Trinkglas aus Nishapur im Iran: Am Boden des aus dem 8. bis 10. Jahrhundert stammenden Glases ist ein Stiel mit einem weiteren Boden angesetzt. Trinkgläser mit Stiel tauchten in Italien erstmals ab dem 13. Jahrhundert auf. Das Glasmuseum Wertheim besitzt somit eines der ersten Stängelgläser. Interessant sind auch die acht ägyptischen Glasgewichte zum Aufschieben auf eine Balkenwaage.

Sprecher

Der Einfluss islamischer Kunst auf die deutsche Kultur wurde vor allem im Jugendstil offensichtlich, als dem Ornament eine immer größere Rolle zugemessen wurde. Legendär war 1910 die Ausstellung islamischer Kunst in München.