Station: [3] Herstellung von Glas

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Glas ist neben Keramik und Metall der dritte Werkstoff, den der Mensch künstlich hergestellt hat. Glas ist fast 5000 Jahre alt und hat in dieser Zeit nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Lebensqualität entscheidend beeinflusst. Vom anfänglichen Luxusglas ist es zum heute unentbehrlichen Werkstoff für Industrie, Technik und Medizin geworden. Warum? Weil Glas sich durch enorm viele Eigenschaften auszeichnet: Glas ist durchsichtig, Glas ist beständig gegen Hitze und Kälte, gegen Säuren und Laugen. Glas ist geruchlos und geschmacksneutral, es leitet, reflektiert, bündelt, streut und teilt das Licht – und es leitet Töne. Glas vergrößert und verkleinert Gegenstände, es korrigiert das Augenlicht. Glas isoliert und spart Energie. Zudem kann man Glas in jede erdenkliche Form bringen.

Sprecher

Die Grundrohstoffe für die Glasherstellung sind bis heute Quarzsand, Kalk und Soda. Quarzsand schmilzt bei über 1700 Grad Celsius. Um die Schmelztemperatur zu senken und den Energieaufwand zu verringern, wird ein Flussmittel verwendet. Die Ägypter benutzten dazu die Asche von Strandpflanzen, die mittelalterlichen Glasmacher Soda oder Pottasche. Um das Glas gebrauchsfertig, stabil und widerstandsfähig zu machen, werden der Glasschmelze Stabilisatoren in Form von Kalkstein, Kreide oder Bleioxiden beigemischt. Die fein gemahlenen Rohstoffe werden in Schmelzhäfen oder Wannen auf 1200 bis 1600 Grad Celsius so lange erhitzt, bis ein homogener Glasfluss entsteht. Je nach Verwendungszweck des fertigen Glases fügt man der Schmelze verschiedene Metalloxide oder chemische Elemente hinzu. Um Spannung im Glas zu vermeiden, muss es dann gekühlt werden. Dies ist insgesamt ein ziemlich komplizierter Vorgang. Sprecherin Glas ist meist grünlich, weil der Sand durch Eisenoxid verunreinigt ist und Eisenoxid grün färbt. Deshalb muss die Schmelze durch Beimischung von Manganoxid entfärbt werden. Dann erst erhält man ein klares, reines Glas. Um farbiges Glas zu erzeugen, werden der Schmelze färbende Metalloxide oder chemische Elemente hinzugefügt: Kobaltoxid beispielsweise färbt das Glas blau und Kupferoxid bzw. Cadmium rot. Sprecher In der Glashütte stellen die Glasmacher das so genannte Hütten- oder Ofenglas her. Dabei wird mit der Glasmacherpfeife oder durch maschinelle Fertigung heißes Glas in Formen eingeblasen und Behälter- und Verpackungsglas daraus hergestellt. Beim so genannten Lampenglas verarbeitet der Glasbläser vor der Gebläselampe die Glasröhren und Glasstäbe, die in der Glashütte aus der Schmelze gezogen wurden.