Station: [30] J – Jugendstil-Vase

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begegnen wir in der Kunst dem Jugendstil. Das Glas des Jugendstils lehnt die Nachahmung historischer Stile ab und wird zum künstlerischen Gegenpol der Glasmanufakturen. Einer der wichtigsten Protagonisten der europäischen Glaskunst des Jugendstils war der in Nancy in Frankreich lebende Kunsthandwerker, Botaniker, Chemiker und Fabrikant Emile Gallé. Von ihm stammt die gelbe Vase mit dem rotbraunen Pflanzendekor „Tränende Herzen“.

Sprecherin

Seine Motive fand Gallé in der Natur. Für deren Beachtung trat er ein, weil er sie durch die Industrialisierung gefährdet sah. Aber auch der Orient und die Literatur waren für ihn wichtige Inspirationsquellen. In Sachen Glasveredelung und Glasherstellung war Gallé höchst experimentierfreudig – und das, obwohl er selbst nie am Glasofen tätig war. Seine Entwürfe ließ er zunächst als Emailmalerei und Glasschnitt auf das Glas übertragen. Später ging er zu Ätzung, Einschmelzungen und Applikationen über. Die Vase des Glasmuseums hat Gallé um 1900 mittels Ätztechnik hergestellt.

Sprecher

Die Vase war ein Geschenk des Stifters und Sammlers von Jugendstil-Gläsern Henri Veill aus dem französischen Clermont-Ferrand, dessen Schwester in Wertheim wohnt. Die Schenkung war ein großes Glück, denn kurze Zeit später zerstörte ein Wohnungsbrand Veills gesamte Sammlung.