Station: [31] L – Laborglas: Spritzen, Volumenmessgeräte

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Wertheim konnte in den 1950er Jahren einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen. Grund dafür war die Spezialisierung auf die heute noch existierende Glasindustrie mit der Herstellung und Weiterverarbeitung von technischem Laborglas. Die Gründung des „Glaswerk Wertheim“ im Jahr 1949 war ein wichtiger Meilenstein. Fünf Glasunternehmer aus Thüringen sicherten sich damit ihre Rohstoffquelle: Rudolf Brand, Dr. Fritz Friedrichs, Josef Friedrichs, Dr. Hans Löber und Carl Zitzmann. Wertheim ist heute nach Mainz und vor Ilmenau in Thüringen das zweitgrößte Zentrum der deutschen Laborglasindustrie.

Sprecher

Eine dieser ersten Firmen, die sich von Thüringen kommend in Wertheim ansiedelten, war die Firma „Walter Graf und Co.“. Vor 100 Jahren waren Glasspritzen der „große Renner“ – egal ob für Mensch oder Tier. Der Bedarf war enorm groß und erforderte damals wie heute großes handwerkliches Geschick – eine Herausforderung für Walter Graf, als er am 1. Juli 1923 im thüringischen Schmiedefeld am Rennsteig mit einem Partner seine gleichnamige Firma „Walter Graf und Co.“ gründete. 1927 führte Graf das Unternehmen alleine weiter und exportierte seine Spritzen vorwiegend in die USA. 1950 übersiedelte er nach Wertheim und schaffte bereits ein Jahr später die ersten Serienproduktionsmaschinen an.

Sprecherin

Eine wahre Revolution war die Einführung der brandneuen Technik des Kalibrierens von Glasröhren in µ-Toleranzen – also Toleranzen von 0,001 Millimeter. Damit war es möglich, die Kolben- und Zylinder-Systeme auswechselbar herzustellen: „austauschbar – interchangeable“ – so wie es auf unserer großen Glasspritze für Tiere zu lesen ist. Im Jahr 2000 fusionierte die Firma mit der englischen Firma John Poulten Ltd. zur „Poulten & Graf GmbH“ in Wertheim und der „Poulten & Graf Ltd.“ in London. Heute bieten diese ein breites Sortiment an Volumenmessgeräten aus Glas sowie manuellen und automatischen Dosiergeräten für Flüssigkeiten an – aber auch nach wie vor die gute alte Glasspritze.