Station: [36] T – Textilglas: Engelshaarmaschine

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Lauscha im Thüringer Wald aus Glasstäben hauchdünne Glasfäden gezogen. Der dafür verwendete Spinnapparat wurde „Engelshaarmaschine“ genannt. Glatte Glasfäden dienten für Vogelschwänze, Rosetten und Engelsflügel, gelockte Glasfäden als „Engelshaar“ für Rauschgoldengel und zur Dekoration von Weihnachtsbäumen.

Sprecherin

Im Gegensatz zum glatten Engelshaar werden für das gelockte Engelshaar zwei unterschiedliche Glasarten benötigt: das harte Duranglas und das weichere AR-Glas. Nur wenn diese beiden Glasarten mit unterschiedlicher Erweichungstemperatur und unterschiedlicher Ausdehnung in der Flamme miteinander verschmelzen, entsteht die für die „Locken“ nötige Spannung im Glas.

Sprecher

Ausgehend von diesem „Patent“ hat Werner Schuller in seiner Firma Schuller Textilglas 1936 in Thüringen das Stabtrommelziehverfahren für die erste spinnbare Glasfaser entwickelt. Obwohl inzwischen für industrielle Zwecke bei Johns Manville optimiert, bildet das Ausziehen von Glasfäden noch heute das Grundprinzip zur Herstellung von Glasfasern.