Station: [45] Perlenköpfchen

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Wer kennt ihn nicht, den Ausspruch „Wenn Blicke töten könnten ...“. Ein solcher Blick kann hasserfüllt, wütend, stechend oder sogar neidisch sein. Es ist ein „Böser Blick“ und seine psychologische Wirkung ist einschüchternd. Die Angst vor dem „Bösen Blick“ gibt es schon lange. Sie gehört zu den ältesten Formen alten Volksglaubens. Genauso lange gibt es die unterschiedlichsten Methoden zu seiner Abwehr. Allein der Blickkontakt mit Menschen, die den „Bösen Blick“ besitzen, soll Tod oder Unheil auslösen können. Demzufolge ist es die wirksamste Methode, den Kontakt mit solchen Personen zu vermeiden. Ist das nicht möglich, sollte man ein entsprechendes Amulett mit sich führen. Denn der Macht des Auges, von dem der Zauber ausgeht, muss eine ebenso starke Macht entgegen gesetzt werden.

Sprecherin

Ein solches Amulett ist das Perlenköpfchen. Das Original, das aus dem 2. Jahrhundert vor Christus stammen soll, befindet sich im Museum von Karthago. Der unheimliche Blick der hervorstechenden Augen ist in großen konzentrischen Kreisen dargestellt. Gesichts- oder Kopfperlen, wie die Perlenköpfchen auch genannt werden, wurden laut Thea Elisabeth Haevernick nur in einem begrenzten Zeitraum hergestellt. Sie sollen erstmals im 5. beziehungsweise 4. Jahrhundert entstanden sein. Dass sie dennoch bis heute, zum Beispiel in Griechenland und der Türkei, überlebt haben, verdanken sie ihrem kultischen Charakter.