Station: [5] Antike Rippenschale

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Römische Rippenschalen galten aufgrund ihrer einfachen und schnellen Herstellung als das Erfolgsmodell der antiken Glasproduktion. Nicht länger als zwei Minuten brauchten römische Glasmacher, um die als Trinkgefäß verwendeten Schalen quasi „versandfertig“ zu machen. Das Erfolgsgeheimnis lag in der Benutzung einer Drehscheibe, auf der ein dicker heißer Glaskuchen über eine wieder verwendbare Kernform abgesenkt wurde. Mit einem Werkzeug wurden die Rippen eingedrückt und damit gleichzeitig die Schale erweitert. Natürlich konnte an der Schale noch etwas gefeilt werden. Wollte der Auftraggeber zum Beispiel gekrümmte Rippen, wurde die Drehscheibe gedreht, während sie bei geraden Rippen stillstand. Auch konnte der Rand geschliffen und poliert werden. Rippenschalen waren vom ersten vorchristlichen bis zum ersten nachchristlichen Jahrhundert in Mode.

Sprecherin

Neben der Drehscheibe sorgten noch zwei weitere Erfindungen für den enormen Aufschwung und hohen Stand der römischen Glaskunst: zum einen die Erfindung der Glasmacherpfeife im 1. Jahrhundert vor Christus an der syrisch-palästinensischen Küste. Bei dieser neuen Technik des Glasblasens wurde die heiße Glasmasse in Formen eingeblasen. Nun konnte einfaches Hohlglas, wie Flaschen, Flakons und Krüge, sowie Flachglas seriell hergestellt werden. Geradezu explosionsartig entstanden Glasmanufakturen bis in die römischen Provinzen nördlich der Alpen. Damit stand der Entwicklung vom Luxusglas zum Gebrauchsglas nichts mehr im Wege.

Sprecher

Die zweite revolutionäre Entwicklung war die Entdeckung der künstlichen Entfärbung von Glas durch Zugabe von Braunstein. Nun war es möglich, ein sehr helles lichtdurchlässiges und transparentes Glas zu fertigen, das ideal war für die Herstellung römischer Fensterscheiben und die Experimente der Alchimisten.