Station: [55] Isabelle Böhm: „Weinende“

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecher

Zu den zahlreichen Frauen, die heute mit Glas künstlerisch am Ofen arbeiten, gehört die in der Glasstadt Wertheim aufgewachsene Isabelle Böhm. Am Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen der Hochschule Koblenz studierte sie Freie Kunst Glas bei den Professoren Ingrid Conrad-Lindig und Jens Gussek.

Sprecherin

Die Maria, die Sie hier vor sich sehen, nennt Isabelle Böhm „Weinende“. Es ist eine Maria, die Blut weint. Böhm orientiert sich dabei an den immer wieder auftretenden Berichten von Marienfiguren, die auf wundersame Weise Blut geweint haben sollen. Maria sei sowohl Kultbild als auch Konsumprodukt und jeder kann sie in sich oder auch als kitschiges Souvenir bei sich tragen. Der Glaube – so Böhm – ist etwas nicht Greifbares und so zerbrechlich wie Glas.

Sprecher

Böhm hat ihre „Weinende“ 2012 aus weißem Knochenglas in Vollverschmelzung gefertigt. Die Künstlerin modelliert zunächst eine Positiv-Form aus Wachs. Anschließend baut sie um dieses Positiv herum eine Negativ-Form aus einem Gips-Schamotte-Gemisch. Dann schmilzt die Künstlerin das zuvor mühsam modellierte Positiv wieder aus dem Gips-Schamotte-Negativ heraus, um Platz für das Glas zu machen.

Sprecherin

Jetzt befüllt sie die Gips-Schamotte-Form mit Glaskröseln und heizt gleichzeitig die Temperatur des Ofens auf ca. 850 Grad Celisus auf, um das Glas zum Schmelzen zu bringen. Bis zu 10 Stunden kann dieser Vorgang dauern, bis sich das Glas vollständig der Form angepasst hat. Wichtig nach dem Schmelzprozess ist das langsame Herunterkühlen des Glases. Ohne diesen Kühl- oder Entspannungsprozess würde das Glas in tausend Teile zerspringen.