Station: [7] B – Böhmisches Glas: Goldrubinglas

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Im 18. Jahrhundert erfanden böhmische Glasmacher das Kreideglas. Damit wurde das dünne und leicht zerbrechliche cristallo-Glas aus Venedig abgelöst. Das dickwandige, klare Kristallglas eignete sich hervorragend für die in Mode gekommenen, farbig überfangenen Gläser. Ebenso für die neuen Glasveredelungstechniken wie Glasschliff und Glasschnitt. Die hohe Lichtbrechung und Brillanz des Glases war geradezu ideal, um an den Fürstenhöfen Europas das Bedürfnis nach Macht und Glanz zu repräsentieren.

Sprecher

Besonders begehrt war es seit Beginn der Glasherstellung, ein rotes durchscheinendes Glas herzustellen. Als Vorbild nahmen die Glasmacher den roten Rubin-Edelstein, den „Karfunkel“. Der im 13. Jahrhundert lebende Albertus Magnus hielt ihn für den edelsten Stein, weil seine Kraft „jener der Sonne ähnlich sei und sogar im Finstern wie Kohle zu glühen vermochte.“

Sprecherin

Die Schwierigkeit rotes Glas herzustellen, lag in der genauen Zusammensetzung der Glasmasse und der Regelung des Feuers beim Anlaufprozess. Um 1680 gelang es dem berühmten Glasmacher Johann Kunckel in Potsdam ein mit Gold hergestelltes, durchscheinend rotes Glas zu schmelzen – das kostbare Goldrubinglas. Bis heute sind solche Gläser absolute Raritäten. Denn nur wenige Glashütten waren in der Lage, Goldrubingläser zu fertigen. Und die wenigen erhaltenen Exemplare sind heute von unschätzbarem Wert.

Sprecher

Übrigens sind nur maximal 0,03 Prozent Gold nötig, um aus einem zunächst farblosen Glas durch nochmaliges Erwärmen eine purpurrote durchscheinende Glasfarbe zu erzeugen.