Station: [8] B – Böhmisches Glas: Deckelpokale

  • Glasmuseum Wertheim

Sprecherin

Die Goldrubingläser kamen Ende des 18. Jahrhunderts als Luxusartikel aus der Mode. An ihre Stelle traten Kristallgläser mit Golddekor – wie der böhmische Deckelpokal vor Ihnen. Um 1840 entwickelte Friedrich Egermann aus Böhmen einen rubinroten Glasfarbstoff, der nicht mehr als Überfang, sondern durch Bemalung auf das farblose Glas aufgetragen werden konnte. Das Glas wurde rot gebeizt beziehungsweise rubiniert. Diese Möglichkeit, jedes Glas rot einzufärben, führte zur Massenproduktion rubinroter Gläser. Besonders beliebt waren Pokale – mit oder ohne Deckel.

Sprecher

Deckelpokale waren in erster Linie Trinkgefäße und der Deckel hatte einen durchaus praktischen Nutzen! Verschmutzung, schnelle Abkühlung oder Erwärmung der Getränke war der eine Grund. Der andere war die panische Angst vor vergifteten Getränken, mit denen unliebsame Herrscher gern aus dem Weg geräumt wurden. Bis ins 18. Jahrhundert reichte deshalb ein Mundschenk die Getränke. Er sorgte dafür, dass der Wein aus den Fässern in gedeckelte Krüge oder Pokale umgefüllt wurde. Diese stellte man dann im Saal auf einer Anrichte, der so genannten Kredenz, zur Schau. Der Name Kredenz, von italienisch „credenza“, bedeutet Vertrauen. Schäumte beim Vorkosten das Getränk oder schwitzte der Mundschenk, wenn er diesem nahe kam, war Gift angezeigt. Erst wenn alle Proben bestanden waren, durfte das Getränk dem Gast gereicht werden.