Station: [0] Fastentücher - allgemein

  • Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster

Solche großen Tücher im Mittelalter wurden während der Fastenzeit im Chorbogen der Kirchen aufgehängt und verhüllten so den gesamten Altarraum. Zum Fasten des Leibes kam ein Fasten der Augen hinzu. Denn die Tücher verwehrten den Blick auf die heilige Messe. Das Große Zittauer Fastentuch zeigt in 90 ergreifenden Bildern die biblische Geschichte, von der Erschaffung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht. Obwohl Martin Luther Fastentücher als päpstisches Gaukelwerk aus den Kirchen verbannt wissen wollte, entschied sich die schon 1521 entstehende evangelisch-lutherische Kirchgemeinde in Zittau anders. Sie benutzte das große Tuch in St. Johannis, der Hauptkirche der Stadt, noch viele Jahrzehnte nach der Reformation weiter und gab 1573 ein zweites Fastentuch in Auftrag. Nur im Vergleich mit dem monumentalen 56 m² Großen Zittauer Fastentuch ist es mit rund 15 m² klein zu nennen. Es ist das einzige Fastentuch des sogenannten „Arma Christi“ Typs in Deutschland. Arma Christi ist lateinisch und bedeutet wörtlich übersetzt „die Waffen Christi“. Gemeint sind die Passionsinstrumente, die Marterwerkzeuge seines Leidens. Hier ordnen sich auch die beiden Verse aus dem Johannesevangelium in der oberen und unteren Schrifttafel ein: „Siehe, dass ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Joh. 1,29. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Joh 3,16.