Station: [1] Darstellung des Tuches

  • Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster

Monumental ist die Kreuzigung Christi dargestellt. Maria, Johannes und die unter dem Kreuz kniende Maria Magdalena blicken wehklagend zu dem Sterbenden auf. Ein Engel umschwebt Christus und fängt mit einem Kelch das aus der Seitenwunde fließende heilige Blut auf. Den bedrohlich dunklen Himmel durchbricht die Lichtgestalt Gottes. Umgeben von drei Putti fährt er in einer Wolke auf den Gekreuzigten zu. Die Hände beider sind einander zugewandt und erinnern an die berühmte Bildkomposition von Michelangelo „Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle zu Rom. Schädel und Beinknochen in der linken unteren Ecke symbolisieren den ersten Menschen, mit dem die Sünde in die Welt kam. Der aus einem Baumstumpf sprießende neue Zweig, rechts hinter dem Kreuz, verheißt Hoffnung. Umrahmt wird das Geschehen von etwa 30 Arma Christi. So finden wir auf der linken Seite von oben nach unten: das Schweißtuch der Veronika, die Wasserkanne und Schüssel für die Handwaschung des Pontius Pilatus, die Laterne und das Schwert, die für die Nacht im Ölberg und die Gefangennahme Jesu stehen, das Kreuz, die Leiter, Nägel und Zange, der Kopf des Judas in der Schlinge samt dem Beutel mit den 30 Silberlingen. Oben hinter der Schrifttafel sehen wir die Lanze, mit der man Christus die Seitenwunde beibrachte und den Ysopstab mit dem aufgesteckten Essigschwamm. Rechts oben sind dargestellt: die Dornenkrone und zwei Stöcke, mit denen die Folterknechte Jesus die Dornen ins Haupt drückten, darunter der Rock Christi und die Geißelsäule mit Peitschen und Ruten. Dann finden wir den Becher und zwei Würfel. Sie erinnern daran, dass die Soldaten unter dem Kreuz um Jesu Rock würfelten. Rechts daneben erkennen wir einen Hahn. Er gemahnt an die Worte, die Jesus an Petrus richtete: „Siehe, noch ehe der Hahn einmal kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.“ Darunter sind ein Horn, Keule und Säbel sowie das Salvatorkreuz dargestellt. Der untere Teil des Rahmens symbolisiert die Höllenfahrt Christi. Das 4,3 m hohe und 3,4 m breite Werk wurde 1573 von einem unbekannten Künstler in der Technik der Tüchleinmalerei mit Tempera auf Leinen gemalt. Als Bildvorlage diente ihm eine Komposition des Lütticher Meister Lambert Lombard, der von 1505 bis 1566 lebte.