Station: [2] Geschichte des Tuches

  • Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster

99 Jahre lang verwendete die Gemeinde das Kleine Fastentuch in der Zittauer Hauptkirche St. Johannis gemeinsam mit dem Großen. Vermutlich wurde es gefertigt, um den 1572 von Meister Jakob Felsch geschaffenen Schnitzaltar zu verhüllen. Einen Hinweis auf den Stifter, wie bei dem Großen Fastentuch, gibt es nicht. In den Bestand des 1854 begründeten Stadtmuseums übergegangen, wurde das Tuch bis 1968 dauerhaft, später aus konservatorischen Gründen nur noch zu besonderen Anlässen gezeigt. Parallel zur Restaurierung des Großen Tuches wurde das stark verschmutzte Kleine Fastentuch 1994 /1995 in den Textilrestaurierungswerkstätten der Abegg-Stiftung in Riggisberg, Schweiz unentgeltlich gereinigt. Nach dem Vorbild des Großen wird das Kleine Zittauer Fastentuch seit dem 6. November 2005 würdevoll, geschützt und dauerhaft gezeigt. Dazu konnte im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster eine bauliche Lösung geschaffen werden, die museale, denkmalpflegerische und konservatorische Ansprüche gleichermaßen berücksichtigt. In einem Anbau aus dem späten 19. Jahrhundert kommt das Tuch eigenständig hinter hängender Verglasung zur Geltung. Von den Fastentüchern des Arma Christi Typs sind weltweit nur sechs Exemplare erhalten geblieben, vier in der Schweiz, eines in Österreich und eines in Deutschland, in Zittau. Kulturhistorisch bemerkenswert ist, dass es als einziges Fastentuch von einer evangelischen Gemeinde in Auftrag gegeben wurde.