Joachim Brohm. Farbe und Gebiet
Seit Jahrzehnten schafft Joachim Brohm fotografische Archive, die den langfristigen Wandel zivilisatorischer Randzonen sichtbar machen. Er richtet seinen Blick auf jene Aspekte der Welt, die unseren gewöhnlichen Alltag bestimmen. Seine Fotografien erscheinen nüchtern, zurückhaltend und beinahe beiläufig. Übergangszonen und Randgebiete, Wohnsiedlungen, Campingplätze, Flussufer oder Gewerbeflächen wandeln sich in seinen Bildern zu Untersuchungsfeldern voller Geschichten. Gerade diese ungeschönte Darstellung des Alltäglichen wird durch präzise Kompositionen und die subtile Beobachtung der Farbigkeit immer wieder gebrochen.
Die Ausstellung Farbe und Gebiet zeigt Fotografien der zentralen Serien „Ruhr“ (1981–1983) und „Areal“ (1992–2002). Die Aufnahmen der Serie „Ruhr“ zeugen noch immer von der Orientierung an den sachlichen Blicken der New Topographics und verraten doch eine große Veränderung. Brohms Farben sind matt, nuanciert und oft von dem diffusen, mitteleuropäischen Tageslicht geprägt, setzen sich bewusst von der knalligen, übersättigten Werbeästhetik seiner Entstehungszeit ab und sind doch keine komplette Absage an das visuelle Spektakel. Die typischen Farben des Alltags – von verwaschenem Blau über Rostbraun bis zu den verblassten Oberflächen von Campingwagen, Imbissbuden oder Freizeitanlagen – treten allmählich zurück. Zugleich beginnt eine Entwicklung von einer soziokulturellen Milieustudie hin zu einer fast schon minimalistischen, architektonischen Abstraktion, die letztlich in der Serie „Areal“ ihren Höhepunkt findet.
Joachim Brohm (*1955 in Dülken) zählt zu den prägenden Positionen der zeitgenössischen Fotografie in Deutschland. Seit den 1980er Jahren setzt er sich in seinen Arbeiten mit urbanen Räumen, suburbanen Landschaften sowie den Veränderungen von Architektur und Infrastruktur auseinander. In langfristig angelegten Projekten untersucht er die Auswirkungen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und räumlicher Transformationsprozesse.

