Mitten im Zentrum von Essen nimmt die Alte Synagoge – Haus der jüdischen Kultur eine wichtige Rolle als Ort jüdischer Erinnerung und Gegenwartskultur ein. Das Gebäude steht an der Steeler Straße 29, unweit des Essener Rathauses.
Der Synagogenbau samt angegliedertem Rabbinerhaus wurde nach einer zweijährigen Bauphase 1913 fertiggestellt. Errichtet als repräsentatives Gotteshaus der damals wachsenden jüdischen Gemeinde, sollte seine zentrale Lage die soziale Anerkennung der jüdischen Bevölkerung sichtbar machen. Bei der Ausgestaltung der Ornamentik und der Glasmalereien gab der erste Rabbiner Hinweise auf traditionelle Motive. Die Einweihung erfolgte am 25. September 1913; das Haus bot einen Hauptraum für über 1.500 Personen, Emporen, Orgel sowie Räume für Wochengottesdienste, Gemeindearbeit, Schule und Wohnungen für Rabbiner und Kantor.
In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Innere durch Brandstiftung schwer beschädigt, die Außenhülle blieb jedoch weitgehend erhalten. Wegen der massiven Bauweise konnte das Gebäude nicht gesprengt werden und überstand auch den Zweiten Weltkrieg ohne gravierende Zerstörungen.
Nach 1945 stand der Bau lange als Ruine. 1959 erwarb die Stadt Essen das Anwesen und nutzte es ab 1960/61 als Museum für Industriedesign. Dazu wurden synagogale Einbauten entfernt und das Innere grundlegend verändert. Nach weiteren Brand- und Nutzungsereignissen richtete die Stadt 1980 die Institution Alte Synagoge ein. Zwischen Mitte der 1980er-Jahre und 1988 erfolgte eine erste Innenrekonstruktion; bis zur umfassenden Neugestaltung war das Haus ein Ort von Kultur, Bildung und politischer Auseinandersetzung. Seit der Wiedereröffnung am 13. Juli 2010 trägt das Haus offiziell die Bezeichnung Alte Synagoge – Haus der jüdischen Kultur.
Architektonisch verbindet der Bau jüdisch-orientalische und abendländisch-christliche Elemente; der Hauptraum zeigt Einflüsse des späten Jugendstils. Die freischwebende Kuppel erreicht eine Höhe von 37 Metern; die Gebäudelänge beträgt 70 Meter. Drei große Eingangstüren trugen einst Medaillons mit jüdischen Motiven; sechs Fenster bildeten die jüdischen Feste ab: Sabbat, Pessach, Schawuot, Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot.
Eine Bestandsaufnahme 2015 ergab erheblichen Sanierungsbedarf an Kupferdach und Natursteinfassade. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde begannen Ende 2022 Vorarbeiten an Leitungen und Untergeschossisolierung; anschließend sollen Fassadenreinigung, Neueindeckung des Kupferdachs, Blitzschutz und Entwässerung erfolgen. Die Maßnahmen sind bis Ende 2024 geplant; die Kosten werden mit rund 7 Millionen Euro veranschlagt.
Das angeschlossene Rabbinerhaus steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Es brannte 1938 aus, diente nach dem Krieg als Gemeindehaus und später dem Stadtarchiv. Nach einer Kernsanierung bezogen 2011 die Universität Duisburg‑Essen und das Salomon Ludwig Steinheim‑Institut die Räume. In der Nacht auf den 18. November 2022 wurde das Rabbinerhaus Ziel eines politisch motivierten Angriffs.
Heute präsentiert die Alte Synagoge fünf Ausstellungsbereiche, die von Quellen jüdischer Tradition über die Geschichte des Hauses bis zu jüdischem Fest‑ und Alltagsleben reichen. Das Haus versteht sich als Ort interkultureller Begegnung, Erinnerung und kultureller Bildung.