Als markantes Bauwerk an der Mündung der Trave prägt der Leuchtturm von Travemünde zusammen mit dem Segelschiff Passat das Ortsbild und dient heute als Museum und technisches Kulturdenkmal.
Der Turm besteht aus rotem Backstein und erhielt seine klassizistische Gestalt nach einem Umbau im Jahr 1827. Mit einer Gesamthöhe von 31 Metern ist er durch fünf umlaufende Gesimse gegliedert; in halber Höhe befindet sich ein kleiner Balkon, der einst als Lotsenausguck diente, und im oberen Bereich eine schmale Plattform. Die Lichtpunkthöhe beträgt 30,6 Meter.
Die Geschichte der Seeführung an der Trave reicht bis in die mittelalterlichen Urkunden: Schon im Lübecker Reichsfreiheitsbrief von 1226 findet sich ein Hinweis auf ein Hafenzeichen, 1316 wird erstmals ein Leuchtfeuerwärter erwähnt. Ein Vorgängerturm wurde 1534 zerstört, 1539 neu errichtet und nach einem Brand 1827 in die heutige Form überführt. Technisch wurde das Leuchtfeuer 1903 von Petroleumlampen auf elektrischen Betrieb mit Kohlebogenlampen umgestellt; 1937 folgte die Umrüstung auf Glühlampen mit einem zylindrischen Hohlspiegel. Eine Lampenwechselvorrichtung arbeitete mit 1000-Watt/24-V-Lampen, die nominelle Tragweite betrug 16 Seemeilen. Kennzeichnungen des Lichts erfolgten über zwei Otterblenden mit unterschiedlichen Blitzfolgen. Erhaltungsmaßnahmen fanden 1954 und 2004 statt.
1972 endete der Betrieb am alten Standort, weil ein Neubau die Sicht verdeckte; seit dem 30. April 1974 befindet sich das Leuchtfeuer auf dem Maritim Travemünde in 114,7 m ü. NN und zählt zu den höchsten Leuchtfeuern in Europa. Der ehemalige Turm wurde als Museum eingerichtet (seit 2004) und zeigt auf acht Geschossen historische Schifffahrtszeichen sowie Ausrüstungsgegenstände von Feuerschiffen und Leuchttürmen, darunter Modelle, Seelaternen und Lichtanlagen. In der obersten Etage, erreichbar über 142 Stufen, ist die funktionsfähige Anlage mit den 1000-Watt-Glühlampen erhalten. Eine Hochwassermarke am Turm erinnert an das schwere Ostseesturmhochwasser von 1872.