Archäologischer Park Cambodunum (APC)

Cambodunumweg 3, 87437 Kempten, Deutschland

Wo Sie uns finden:

Straße
Cambodunumweg 3
PLZ/Ort
87437 Kempten
Land
Deutschland
Telefon
0831 79731
Fax
-

Web
http://www.kempten.de/de/archaeologischer-park-cambodunum-apc-1.php
Tags
#Archäologie

Beschreibung

Der Archäologische Park Cambodunum in Kempten (Allgäu) vermittelt die archäologischen Zeugnisse der römerzeitlichen Siedlung Cambodunum aus der augusteischen Epoche und fungiert zugleich als Freilichtmuseum.

Das Gelände liegt im Bleicherösch im Stadtteil Auf dem Lindenberg, rechts der Iller, auf einer hochwassersicheren Terrasse und ist seit 1983 für die Öffentlichkeit zugänglich. Die ersten Grabungen begannen am 19. September 1885 im Rahmen eines örtlichen Altertumsvereins; seither folgten mehr als vierzig weitere Kampagnen. Frühe Auswertungen identifizierten das entdeckte Forum als Kern der antiken Stadt.

Der Park gliedert sich in drei Hauptbereiche: einen gallo-römischen Tempelbezirk mit fünf rekonstruierten Bauten und einer Doppelhalle, eine kleine Thermenanlage unter einem museal ausgestalteten Schutzbau sowie das Forum mit Basilika, Praetorium, Mannschaftsunterkünften und Wirtschaftsgebäuden. Die Anlage zählt zu den vollständigsten archäologischen Grabplätzen nördlich der Alpen. 1982 wurde in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Institut für Provinzialrömische Archäologie der Ludwig‑Maximilians‑Universität München eine städtische Stadtarchäologie gegründet; später wurde diese aus Kostengründen in das Kulturamt integriert.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. war Cambodunum Sitz des Statthalters der Provinz Rätien; erst später verlegte sich das Verwaltungszentrum nach Augusta Vindelicum. Das Praetorium diente als Residenz und wurde in einer späteren Phase zu einem Gästehaus umgebaut. Die an das Praetorium anschließenden Thermen waren ursprünglich für den Statthalter bestimmt und wurden durch Einbauten wie öffentliche Latrinen an eine breitere Nutzung angepasst; ihre Überreste sind gut didaktisch erschlossen. Die Basilika im Forum wurde vermutlich nach einem Brand um 70 n. Chr. neu errichtet und weist auf die Bedeutung des Ortes hin.

Der Tempelbezirk dokumentiert das Nebeneinander keltisch‑germanischer und römischer Kultformen; eine frühzeitige keltische Siedlung, die bereits von Strabon erwähnt wird, ist archäologisch nicht mehr sichtbar, doch zeugen dreizehn Tempel‑ oder Kultbauten des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. von religiöser Vielfalt. Fünf Tempelbauten wurden in Originalgröße rekonstruiert; Altäre und Weihinschriften belegen die Verehrung von Merkur, Herkules und Epona. Römische Tempel galten als Wohnhaus der Gottheit, der Altar stand vor dem Gebäude, und nur Priester betrat den inneren Raum.

Der Tempelbezirk wurde 1937–1938 großflächig untersucht; diese Dokumentation ermöglichte 1983–1985 steingerechte Teilrekonstruktionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren freiliegende Fundamente von Steinraub betroffen; bei den Wiederherstellungsmaßnahmen wurden Reste des Originals teilweise abgetragen und über Betonfundamenten wiederaufgebaut, um dauerhaft nutzbare Rekonstruktionen zu schaffen.

Der Heilige Bezirk misst 800 × 600 römische Fuß (238,10 m × 178,95 m) und diente sowohl kultischen als auch weltlichen Versammlungszwecken; der zentrale Altar könnte der Stadtgöttin Roma und dem vergöttlichten Kaiserhaus geweiht gewesen sein. Fundstücke aus den Grabungen waren bis zur Schließung des Römischen Museums Kempten im Zumsteinhaus im Jahr 2015 dort ausgestellt.

Ort auf der Karte

Weitere Museen in der Nähe