In Oerlinghausen im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen führt das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen (AFM Oerlinghausen) Besucherinnen und Besucher durch die Wohn- und Alltagskulturen Nordeuropas von der Altsteinzeit bis ins Frühmittelalter.
Ursprünge des Museums liegen in Grabungskampagnen eines örtlichen Schulleiters zwischen 1926 und 1931; 1936 entstand auf dieser Grundlage das als „Germanengehöft“ bezeichnete Freilichtensemble. Erste Nachbauten wurden von einem archäologischen Verband am Barkhauser Berg nahe dem Fundplatz errichtet. Das Gelände erfuhr in der Folgezeit politische Nutzungen, verfiel nach 1945 und wurde später abgebaut. Ein Brand 1974 leitete den Neuaufbau ein: Bis 1979 entstand mit Unterstützung des Landesverbands Lippe und der Stadt Oerlinghausen die heutige Anlage, die sich seither der siedlungsarchäologischen und experimentellen Forschung verschrieben hat. In Oerlinghausen nahm auch die internationale Vernetzung der Freilichtmuseen ihren Anfang; gemeinsam mit anderen Einrichtungen prägte das Museum die Nachkriegswiederbelebung der lebendigen Archäologie in Deutschland.
Im Jahr 2025 ersetzte ein 33 Meter langes Eisenzeit-Langhaus um das Jahr 0 ein baufälliges bronzezeitliches Gebäude; dafür wurden fast zweihundert Eichstämme verbaut. Der Bau wurde von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege gefördert, die bereits frühere Rekonstruktionen und digitale Projekte unterstützt hatte.
Träger des Museums ist der Verein Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen e. V.; Stadt und Landesverband Lippe begleiten die Arbeit. Der Verein fördert die wissenschaftliche Erforschung der Vor- und Frühgeschichte des Teutoburger Waldes und die Heimatkunde durch Grabungen, Vorträge, Führungen und Ausstellungen.
Die Dauerausstellung führt auf einem 1,5 Hektar großen Rundweg durch rund 13.000 Jahre. Experimentell nachgebaute Behausungen sind in die jeweilige Natur- und Kulturlandschaft eingebettet und veranschaulichen Lebensweise und Alltag. Stationen reichen vom eiszeitlichen Rentierjägerzelt der Ahrensburger Kultur (ca. 12.700–12.500 v. Chr.) über Mittel- und Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit; die vorrömische Eisenzeit ist im zentralen „Germanengehöft“ präsent, das frühe Mittelalter endet mit einem Hallenhaus um 600 n. Chr. Ein jungsteinzeitliches Langhaus nach Befund der Rössener Kultur trug nach dem Krieg entscheidend zum wissenschaftlichen Renommee der Anlage bei. Ergänzt wird das Angebot durch eine Ausstellung zum Naturschutzgroßprojekt Senne.
Museumspädagogik und Umweltbildung bilden Schwerpunkte: Die Vermittlung richtet sich vor allem an Kinder und Familien, darüber hinaus gibt es Seminare zu historischen Handwerkstechniken sowie mehrtägige Veranstaltungen wie Steinzeit-, Römer- oder Wikinger-Tage. Lebendige Archäologie mit Darstellern lädt zum Dialog und kritischen Nachdenken ein. Das Großprojekt UrLand (markenrechtlich geschützt) verbindet das NGP Senne, das AFM und die Klimaerlebniswelt Oerlinghausen, um Umweltgeschichte und Urgeschichte räumlich und inhaltlich zu verknüpfen.
Das Museum publizierte in Eigenregie zwischen 1989 und 2014 und betreibt einen zertifizierten Wissenschaftsblog (ISSN 2568-5864).