In Mecklenburg-Vorpommern, wenige Kilometer nördlich der Kleinstadt Sternberg, befindet sich das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden, das unmittelbar an einer Niederung am Groß Radener See liegt. Auf einer vorgelagerten Halbinsel erhebt sich ein weithin sichtbarer, kreisförmiger Burgwall von etwa 50 Metern Durchmesser.
Zwischen 1973 und 1980 führten Archäologen hier großflächige Ausgrabungen durch, bei denen Siedlungsreste slawischer Bewohner aus dem 9. und 10. Jahrhundert freigelegt wurden. Auf Grundlage dieser Befunde wurde die Burganlage rekonstruiert und als Archäologisches Freilichtmuseum eingerichtet; zudem flossen Erkenntnisse aus der Slawenburg Behren-Lübchin in die Rekonstruktionen ein. Die Grundsteinlegung für das Museumshaus erfolgte 1984, die Eröffnung als „Altslawischer Tempelort Groß Raden“ fand am 13. Mai 1987 statt. Nach wechselhafter Trägerschaft nach der politischen Wende wird das Museum heute vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern betrieben. Die Dauerausstellung wurde 2015 überarbeitet und an den aktuellen Forschungsstand angepasst.
Die Befunde lassen zwei aufeinanderfolgende Bauphasen erkennen: Eine ältere, im späten 9. Jahrhundert angelegte Befestigung, die nach wenigen Jahrzehnten durch Brand zerstört wurde, und eine unmittelbar anschließende Neuanlage. Von der Siedlung wurden rund 7000 m², fast die Hälfte des bebauten Areals, archäologisch untersucht. Wegen jahrhundertelanger Weidenutzung und eines hohen Grundwasserspiegels blieben zahlreiche organische Materialien und hölzerne Bauteile hervorragend erhalten. Die damalige Insel- und Uferlandschaft hat sich durch Verlandung stark verändert; die heutige Halbinsel war vor rund 1000 Jahren noch eine Insel, die nur per Brücke mit der Wohnsiedlung verbunden war.
Die Halbinsel war durch einen 4,5 Meter breiten Sohlgraben sowie eine einreihige Palisade mit Wehrgang geschützt; der Zugang erfolgte über ein rekonstruiertes Tunneltor mit Brücke. In der ersten Phase standen vermutlich etwa 40 eng aneinandergebaute Häuser von rund 4 × 5 Metern mit einfachem Sandfußboden und Herdstelle. Im Südosten befindet sich ein isoliertes Gebäude aus breiten Eichenbohlen (ca. 7 × 11 m), dessen Fundzusammenhang mit Opferspuren und sogenannten Kopfbohlen auf einen Umgangstempel oder ein Heiligtum des Warnower Stammes hinweist. Freiflächen dienten offenbar als Markt- und Versammlungsorte.
Um das Jahr 900 belegen starke Brandspuren an Palisade und Tor sowie Schäden am Heiligtum eine Zerstörung; in der Folge entstand eine Neubebauung mit größeren Blockhäusern von bis zu 45 m². Das Heiligtum wurde auf die Insel verlegt und durch einen kreisrunden Wall bis zu 10 Meter Höhe mit 25 Metern Innendurchmesser geschützt; auf der Brücke wurde ein Torgebäude als Kontrollposten errichtet. Ende des 10. Jahrhunderts wurde die Siedlung endgültig aufgegeben; ein Zusammenhang mit dem historisch überlieferten Feldzug Otto III. von 995 gilt als möglich.