Im Westen der Stadt Kassel liegt der Bergpark Wilhelmshöhe, ein großflächiger Landschaftspark von internationaler Bedeutung, der 2013 in die UNESCO‑Welterbeliste aufgenommen wurde. Der Park gilt als herausragendes Beispiel historischer Gartenkunst und ist überregional vor allem für seine Wasserspiele, die Herkules‑Statue, das Schloss Wilhelmshöhe und die künstliche Ruine Löwenburg bekannt.
Der Park erstreckt sich im Stadtteil Bad Wilhelmshöhe und zieht sich bis in den Hohen Habichtswald hinein. Sein Gelände umfasst rund 2,4 Quadratkilometer; die höchste markante Stelle bildet der Karlsberg mit dem Herkules auf etwa 515 Metern, das Schloss liegt im unteren Bereich auf ungefähr 282 Metern. Die Anlage schließt an den Habichtswald an und bildet einen östlichen Baustein des gleichnamigen Naturparks.
Die Entstehung reicht in das späte 17. Jahrhundert zurück; ab 1696 legten die Landgrafen von Hessen‑Kassel die Grundlagen. Im frühen 18. Jahrhundert entstand die barocke Achse auf dem Karlsberg mit Oktogon, Kaskaden und der Herkulesfigur, öffentliche Vorführungen der Wasserkünste sind seit 1714 dokumentiert. Ab 1785 setzte eine weitreichende Umgestaltung ein, bei der der untere Parkbereich nach Vorstellungen des Englischen Landschaftsgartens neu geordnet und das Schloss durch einen klassizistischen Neubau ersetzt wurde. In der Folge entstanden die Löwenburg als romantische Ruinenarchitektur, das Aquädukt und weitere wasserbauliche Elemente. Politische Umbrüche des 19. Jahrhunderts, die Nutzungskonversionen und konservatorische Maßnahmen des 20. Jahrhunderts haben das Erscheinungsbild ebenso geprägt wie der Erhalt der historischen Substanz. Seit 2006 wird der Park von der Museumslandschaft Hessen Kassel betreut.
Die Anlage vereint Gartenkunst verschiedener Epochen mit einer technisch anspruchsvollen Wasserführung. Über ein Grabensystem werden Regen‑ und Oberflächenwasser in Speicherbecken gesammelt; das für die Inszenierung verfügbare Volumen beträgt etwa 2 100 m³, ein größeres Becken in der Höhe hat ein Fassungsvermögen von rund 40 000 m³. Die Wasserspiele arbeiten rein mit Gefälle, ohne Pumpen; Wasserklappen werden manuell gesteuert, sodass die Abfolge der Kaskaden, Grotten und Bassins als choreografierte Folge von Wasserbildern erlebt werden kann. Schloss Wilhelmshöhe beherbergt bedeutende Sammlungen, und die parkgestalteten Wege, Staffagebauten und Waldflächen dokumentieren die Entwicklung europäischer Gartenkunst über mehrere Jahrhunderte. Flora und Gehölzbestand spiegeln die spät‑18.‑ und 19.‑jahrhundertliche Sammelleidenschaft für Exoten wider und bilden heute einen wichtigen Teil des kulturhistorischen Gesamtensembles.