Im Ortsbild von Warmbronn nimmt das Christian-Wagner-Haus eine besondere Funktion als Erinnerungsort an den Dichter Christian Wagner ein; seit 1983 ist das ehemalige Wohnhaus als Dichtermuseum zugänglich.
Das Gebäude an der Straße nach Renningen entstand 1780 als typischer schwäbischer Fachwerkbau. Auf einem Gewölbekeller ruht ein Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk, Ober- und Dachgeschoss sind als Ständerfachwerk ausgeführt und ursprünglich zum Schutz verputzt worden. Eine nachträglich angefügte Scheune ergänzte das Anwesen; Hof, Waschhaus, Remisen, Schweineställe und Gärten gehörten früher dazu.
In einer Vermessung von 1834 wurden die Besitzverhältnisse geteilt; am 5. August 1835 wurde Christian Wagner hier geboren. Teileigentümer wechselten mehrfach, und das Haus war über Jahrzehnte Wohn- und Wirtschaftsstätte seiner Familie. Nach dem Tod des Dichters 1918 blieben die beiden Stuben im Erdgeschoss als private Erinnerungsstätte erhalten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderten Verkäufe und Besitzwechsel sowie Abrisse der Hofgebäude den Zustand des Anwesens; das Haus verfiel zeitweise, bis in den 1970er-Jahren die Gefahr eines Abbruchs durch eine örtliche Bürgerbewegung aufgegriffen wurde.
Am 5. Februar 1972 wurde die Christian-Wagner-Gesellschaft gegründet, um Werk und Wohnhaus zu sichern. Durch Spendenaktionen, die Schenkung des Wohnhauses ohne Gelände und den Einsatz von Unterstützern sowie den Beschluss des Regierungspräsidiums Stuttgart, die Bausubstanz unter Ensembleschutz zu stellen, gelang die Restaurierung. Die Stadt Leonberg übernahm schließlich das Gebäude, sanierte es und richtete es als Dichtermuseum ein. Die Christian-Wagner-Gesellschaft betreut seitdem Haus und Garten und bereitet den literarischen Nachlass auf.
Die museumspädagogische Einrichtung zeigt im Erdgeschoss Küche sowie Wohn- und Schlafstube mit originalem Inventar. Die Dauerausstellung „Christian Wagner – Leben und Werk“ wurde 2017/18 neu konzipiert und Exponate auf Erd- und Obergeschoss verteilt. Ein großer Raum im Obergeschoss dient als Veranstaltungsraum; im Dachgeschoss befindet sich das Archiv, in dem der nahezu vollständig übergebene Nachlass aufbewahrt wird. Dieser umfasst die Bibliothek des Dichters, Erstausgaben, Korrespondenz, Textentwürfe, Zeitungs- und Zeitschriftenbelege sowie eine Fotosammlung. Die Erschließung von Briefen und Postkarten ist weitgehend abgeschlossen, die alphabetische Erfassung der Gedichthandschriften ist in Arbeit. Hinter dem Haus erinnert ein Bauerngarten mit Pflanzen an Motive aus Wagners Dichtung; das Archiv kann nach Vereinbarung genutzt werden.