In Köln sammelt, bewahrt und präsentiert DOMiD (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) Materialien zur Migrationsgeschichte und betreibt dafür Museum, Archiv und Forschungsangebote. Der Verein organisiert Führungen, Vorträge, Tagungen und Bildungsworkshops und versteht Migration als gesellschaftliche Normalität. Ziel ist die umfassende Darstellung einer Migrationsgesellschaft; dafür entsteht das Museum Selma, dessen Eröffnung derzeit für 2029 geplant ist.
Gegründet wurde der Verein 1990 im Ruhrgebiet; anfänglich lag der Schwerpunkt auf der Geschichte der sogenannten Gastarbeit, vor allem mit Blick auf Migration aus der Türkei. Eine 2007 erfolgte Fusion mit einem gleichgerichteten Verein erweiterte Herkunftsperspektiven und führte zur Umbenennung in DOMiD. Seit 2010 befindet sich die Geschäftsstelle im Bezirksrathaus Köln‑Ehrenfeld; die Sammlung steht Forschenden nach Voranmeldung zur Verfügung und wird regelmäßig von Studierenden, Kulturschaffenden und Historikerinnen genutzt.
Die Sammlung beginnt 1945 und reicht bis in die Gegenwart. Sie dokumentiert Migration nach West‑ und Ostdeutschland einschließlich der DDR und umfasst über 150.000 Medien und Objekte: Monographien, Graue Literatur, Zeitungen, Originaldokumente, Fotografien, Filme, Tonträger, Flugblätter, Plakate sowie dreidimensionale Alltags- und Arbeitsgegenstände. Ein wissenschaftlicher Fachbeirat begleitet die Arbeit des Vereins.
Die Bestände beinhalten Persönliches und Institutionelles: Briefe, Ausweise, Arbeitsverträge, Tagebücher, Wohnheimordnungen und Vereinsmaterialien sowie private und professionelle Fotografien, die Einblicke in Wohnen, Kultur, Arbeit und politische Partizipation geben. Zu den Objekten gehören Gebrauchsgüter vom kleinen Erinnerungsstück bis zu einem Ford Transit. Das audiovisuelle Archiv enthält Dokumentar‑ und Spielfilme, Veranstaltungsmitschnitte, Radiosendungen, Musik und seit Mitte der 1990er Jahre zahlreiche oral‑history‑Interviews. Musikalische Traditionen und in Deutschland entstandene Genres sind weit vertreten.
Bekannte Nachlässe ergänzen die Bestände, darunter Zeugnisse bedeutender Personen sowie die sogenannten „Möllner Briefe“ nach den Brandanschlägen 1992. Ein dokumentarischer Film über diese Briefe feierte 2025 seine Premiere auf der Berlinale und erhielt mehrere Auszeichnungen.
Das geplante Museum Selma soll als zivilgesellschaftlich mitentwickeltes Museum der Einwanderung und Migration Ausstellungsflächen, Werkstätten, Veranstaltungsräume, Kinoraum sowie Archiv‑ und Bibliotheksbereiche bieten. Die Dauerausstellung verbindet eine chronologische Darstellung deutscher Geschichte mit migrationsspezifischen Perspektiven und sechs Konzepträumen. Für Bau und Betrieb wurde eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet; Bund, Land Nordrhein‑Westfalen und die Stadt Köln unterstützen das Projekt finanziell. Aufgrund erheblicher Preissteigerungen im Bauwesen kündigte DOMiD im März 2026 an, dass der Standort eventuell vom ursprünglich geplanten Industrieareal in Kalk in ein Innenstadtquartier verlegt werden könnte. Ende März 2026 formierte sich eine Bürgerinitiative, die den Erhalt des Museums an seinem ursprünglichen Standort fordert.