In Charlottenburg‑Nord erinnert die Gedenkstätte Plötzensee an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz im ehemaligen Strafgefängnis Berlin‑Plötzensee; das Mahnmal liegt am Standort der früheren Hinrichtungsanlage am Rand der heutigen Justizvollzugsanstalt und wurde 1952 vom Land Berlin eröffnet.
Das Gefängnis entstand zwischen 1868 und 1879 auf einem Gelände des damaligen königlichen Forstfiskus und wurde mit der Bildung Groß‑Berlins 1920 dem Bezirk Charlottenburg zugeordnet.
Während der NS‑Zeit diente die Anstalt nicht nur der Vollstreckung von Freiheitsstrafen, sondern war zusammen mit der Strafanstalt Brandenburg‑Görden eine zentrale Hinrichtungsstätte des Vollstreckungsbezirks IV. Hier wurden weit über 2.800 Todesurteile vollstreckt; darunter waren zahlreiche Angehörige von Widerstandsgruppen, Teilnehmer des 20. Juli 1944 und Mitglieder der sogenannten „Roten Kapelle“. Fast die Hälfte der Hingerichteten stammte aus dem Ausland; mehr als 300 Frauen wurden aus dem Frauengefängnis Barnimstraße überführt, und etwa 100 Kriegsdienstverweigerer aus den Reihen der Zeugen Jehovas zählten zu den Opfern.
Anfänglich fanden Hinrichtungen mit dem Handbeil auf dem Hof statt. Nach einer Anordnung von 1936 wurde im Reich die Guillotine eingeführt; 1937 wurde sie im Gefängnis installiert. Das Gesetz von März 1933 hatte außerdem das Hängen wieder zugelassen, das ab Dezember 1942 erneut systematisch angewendet wurde. In der Hinrichtungsstätte wurde am 15. Dezember 1942 eine Eisenschiene mit Haken angebracht, die mehrere gleichzeitige Exekutionen ermöglichte. Die Guillotine wurde vermutlich in der Nacht auf den 4. September 1943 durch einen Luftangriff beschädigt und zeitweise außer Betrieb gesetzt.
Nach einem schweren Bombenschaden flüchteten vier Verurteilte; daraufhin ordnete eine Reichsbehörde die sofortige Vollstreckung vieler Todesurteile an. In den Nächten vom 7. bis 12. September 1943, den sogenannten Plötzenseer Blutnächten, wurden über 250 Häftlinge verschiedener Herkunft gehängt; darunter fanden sich auch Personen, deren Hinrichtung irrtümlich angeordnet worden war. Berichte des evangelischen Gefängnisseelsorgers dokumentieren diese Ereignisse. Der verantwortliche Staatssekretär wurde nach dem Krieg in einem Juristenprozess verurteilt und später vorzeitig entlassen.
1951 wurde ein Teil des Hinrichtungsschuppens abgetragen; an seiner Stelle befindet sich heute eine Bruchsteinmauer. Der Hinrichtungsbalken mit heute fünf Fleischhaken ist erhalten; der Boden unter dem Träger ist zum Raumzentrum hin geneigt und weist einen Ablauf auf.
Zu den in Plötzensee Hingerichteten gehören zahlreiche bekannte Widerstandskämpfer und Gegner des NS‑Regimes, etwa Marianne Baum, Eugen Bolz, Cato Bontjes van Beek, Alfred Delp, Helmuth Hübener, Karlrobert Kreiten, Helmuth James Graf von Moltke sowie mehrere Beteiligte des Attentats vom 20. Juli 1944.
Als sakrale Erinnerungsorte wurden nördlich der Paul‑Hertz‑Siedlung die römisch‑katholische Kirche Maria Regina Martyrum (Heckerdamm 230) mit einem Karmel und das Evangelische Gemeindezentrum Plötzensee (Heckerdamm 226) errichtet; im Gemeindezentrum befindet sich der Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka. Die Sühne‑Christi‑Kirche in der Toeplerstraße 1 mit ihrer Gedenkmauer ergänzt das Ensemble. Zusammen mit der Gedenkstätte bilden diese Orte Stationen des 2018 realisierten Pfads der Erinnerung.