Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus stellt die Geschichte eines ehemaligen Strafvollzugs in Cottbus in den Mittelpunkt und verbindet Erinnerungsarbeit mit Bildungs- und Forschungsangeboten.
Das Cottbuser Zentralgefängnis ging 1860 nach einer dreijährigen Bauphase in Betrieb. Im Nationalsozialismus nutzte man die Anlage als Jugendanstalt und Frauenzuchthaus; bei den Luftangriffen am 15. Februar 1945 wurde sie beschädigt. Zwischen 1949 und 1951 erfolgten Reparaturen. Beim Volksaufstand vom 17. Juni 1953 kam es zu einer Häftlingsrevolte. In der DDR war das Haus dem Strafvollzug des Ministeriums des Innern zugeordnet; politisch motivierte Verfahren wurden überwiegend von der Staatssicherheit vor dem Cottbuser Amtsgericht geführt. Das Zuchthaus galt als zentrales Gefängnis für politische Häftlinge und Ausreisewillige aus der ganzen DDR. Am 19. Oktober 1978 nahm sich der junge DDR-Flüchtling Werner Greifendorf auf dem Hof das Leben. 1983 saßen dort 446 politische und 94 kriminelle Gefangene; insgesamt 540 Häftlinge wurden von 208 Wärtern und 30 inoffiziellen Mitarbeitern überwacht, darunter 340 Ausreisewillige. Häufige Haftgründe waren Passdelikte, „staatsfeindliche Hetze“ und Kontakte zu Menschenrechtsorganisationen sowie zu Medien wie ARD und ZDF. Nach der Wende wurde der Strafvollzug unter veränderten Bedingungen fortgeführt; 2002 schloss die Anstalt und die Insassen zogen in die neue JVA Cottbus‑Dissenchen. 2007 wurde das Gelände versteigert.
Die Umwidmung zur Gedenkstätte begann mit der Übergabe eines Nebengebäudes an das Menschenrechtszentrum am 1. Februar 2008; 2011 erwarb das Zentrum das gesamte 22.000 m² große Areal. Am Tag der Menschenrechte 2013 eröffnete die Dauerausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus“. Die Gedenkstätte bietet seitdem Bildungsprogramme, Workshops mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie öffentliche Veranstaltungen und künstlerische Nutzungen. Forschungsprojekte, unter anderem zur politischen Haft in der NS‑Zeit und zur Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit in Cottbus, ergänzen die Arbeit; seit Anfang 2019 ist die Einrichtung Teil des Forschungsverbunds „Landschaften der Verfolgung“. Ergänzende Ausstellungen würdigen Biografien von Häftlingen, etwa des Radrennfahrers Wolfgang Lötzsch. Ende 2018 wurde eine zweite Außenausstellung „Vergangen, nicht vergessen – Das Zuchthaus Cottbus im Spiegel der Zeiten“ mit Stelen und Objektwürfeln eröffnet; im Juli 2024 folgte eine neugestaltete Ausstellung zur NS‑Zeit. Die Gedenkstätte erhält Projekt- und Restaurierungsförderungen, kann aber weiterhin auf Spenden für einen Teil der jährlichen Betriebskosten angewiesen sein.