Im Himmeroder Hof am Himmeroder Wall 6 präsentiert sich seit 1968 das Glasmuseum in Rheinbach als Sammlung und Vermittlungsort für böhmische Glasarbeiten und zeitgenössische Glasgestaltung. Das Haus nimmt historische Bestände ebenso auf wie Beispiele moderner Glasbearbeitung und hat sich besonders auf nordböhmisches Hohlglas spezialisiert.
Die Gründung des Museums geht auf das Frühjahr 1968 zurück, als sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Rheinbach ansässige nordböhmische Glasveredler gemeinsam mit rund 100 Bürgerinnen und Bürgern zum Verein Freunde edlen Glases e. V. zusammenschlossen und noch im Gründungsjahr ein Museum im ehemaligen Rathaus eröffneten. Die Stiftung Hickisch lieferte den Anfangsbestand der Sammlung. 1980 übernahm die Stadt Rheinbach die Trägerschaft; in den Jahren 1985 bis 1999 ergänzten der Bund angekaufte Objekte, die als Dauerleihgaben im Haus verblieben. Dank einer Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen konnten 1989 Räume im sanierten Himmeroder Hof bezogen werden.
Der Himmeroder Hof selbst stammt in seinem Hauptteil aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und war einst Sitz der Besitzverwaltung der Abtei Himmerod. Heute bildet die denkmalgeschützte Hofanlage ein Kultur- und Bürgerzentrum, in dessen Zentrum das Glasmuseum steht. Die Museumsräume sind multifunktional gestaltet; der größte Saal dient auch als Ratssaal der Stadt Rheinbach. In einer Werkstatt können Besucherinnen und Besucher Handwerkern bei der Glasherstellung zusehen.
Die Bestände umfassen mitteleuropäische Gläser vom Barock über Biedermeier und Historismus bis zum Jugendstil, mit Schwerpunkt auf der Produktion des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In der Dauerausstellung sind barocke Schnittgläser, farbige, geschliffene und geschnittene Biedermeiergläser, Freundschaftsbecher, Prunkpokale des Historismus sowie Bäder- und Souvenirgläser des 19. Jahrhunderts ebenso zu sehen wie Jugendstil-, Art-déco- und Fachschulgläser aus Steinschönau und Haida. Ein eigener Bereich erläutert die Technik und Kunst der böhmischen Glasherstellung und -veredelung. Ergänzt wird die Präsentation durch modernen Studioglas, das experimentelle und künstlerische Positionen zeigt, sowie durch eine Abteilung zur Entwicklung der Rheinbacher Glaskunst, in der auch Arbeiten von Ausbildern der Rheinbacher Glasfachschule ausgestellt sind.