Im Berliner Ortsteil Mahlsdorf nimmt das Gründerzeitmuseum im Gutshaus Mahlsdorf eine zentrale Stellung als Bewahrer und Präsentationsort für Alltagskultur des späten 19. Jahrhunderts ein. Es liegt am Hultschiner Damm 333 im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und zeigt eine der größten zusammenhängenden Sammlungen von Gründerzeitobjekten in Europa. Das Haus dient zudem als Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen, als Spielort für Theateraufführungen und wird auch für standesamtliche Trauungen genutzt.
Am 1. August 1960 öffnete das Museum erstmals seine Türen; die Gründung geht auf Charlotte von Mahlsdorf zurück, die das Gebäude bereits einige Jahre zuvor bezog und so vor dem Abriss bewahrte. Aus kleinen Anfangspräsentationen wuchs die Ausstellung; zur Blütezeit umfasste sie bis zu 23 Räume. Staatliche Übernahmeversuche in der DDR blieben erfolglos. Nach einem gewaltsamen Übergriff 1991 verließ die Gründerin das Land, das Haus schloss 1995 und wurde 1997 durch einen Förderverein wieder eröffnet. Seitdem trägt dieser Verein die Pflege und Präsentation der Sammlung in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur Marzahn‑Hellersdorf; nach dem Tod der Gründerin gehört die Sammlung hälftig dem Land Berlin und dem Förderverein.
Die Ausstellung umfasst 17 vollmöblierte Räume mit Möbeln und Alltagsgegenständen des bürgerlichen Lebens zwischen etwa 1870 und 1900. Zwei Damensalons, ein Herrenzimmer, ein Schlafzimmer sowie mechanische Musikmaschinen zählen zu den Höhepunkten; außerdem ist hier Berlins älteste erhaltene Zille‑Kneipe, die Mulackritze (um 1890), zu sehen. Die Mehrzahl der Räume ist im Neorenaissance-Stil eingerichtet; ein Speisezimmer zeigt neogotische Gestaltung. Der spät im 19. Jahrhundert hinzugefügte Gartensaal fungiert als „gutes Zimmer“ und als Veranstaltungsraum. Seit Sanierungsarbeiten wurde im Dachbereich Platz für verschiedenartige Veranstaltungen geschaffen; regelmäßig werden Stücke und Filme zur Gründerin gezeigt und die Sammlung für Dokumentationen genutzt. 2011 wurde zudem eine neu aufgebaute Sammlung, die die Gründerin nach ihrer Auswanderung in Schweden zusammengestellt hatte, angekauft und in die Ausstellung integriert.
Das unter Denkmalschutz stehende Gutshaus stammt aus etwa 1815 und entstand als Amtsvorwerksgebäude der Staatsdomäne Köpenick. Nach unterschiedlichen Nutzungen im 20. Jahrhundert war das Haus in den 1950er Jahren baufällig und sollte abgerissen werden. Ein Bauumwandlungsschritt ab 1869 prägte das heutige spätklassizistische Erscheinungsbild mit großer Gartentreppe und Enfiladen. Nach einem Sanierungskonzept von 2001 folgten denkmalgerechte Arbeiten ab 2004 sowie eine umfassende Instandsetzung zwischen 2007 und 2012; kleinere Maßnahmen setzten sich fort.
Südlich des Hauses liegt ein historischer Park, der in den 1880er Jahren zum Landschaftspark umgestaltet wurde. In den 1990er Jahren wurde die Anlage denkmalgerecht wiederhergestellt und in Anlehnung an den Zustand um 1900 gestaltet. Der Park ist öffentlich zugänglich und enthält einen Gedenkstein zur Erinnerung an Charlotte von Mahlsdorf.