In Geltow zeigt die Handweberei „Henni Jaensch-Zeymer“ lebendig traditionelle Webkunst: Das Haus bewahrt eine große Sammlung betriebsfähiger Handwebstühle und führt handwerkliche Techniken im laufenden Betrieb vor. Als aktives Webereimuseum verbindet es Ausstellungs- und Produktionsraum.
Das Museum wurde 1992 eingerichtet; seine Wurzeln reichen jedoch bis in die 1930er Jahre zurück, als Henni Jaensch-Zeymer ihren Webhof in einem ehemaligen Gasthof einrichtete. Bühne und Festsaal des leerstehenden Hauses wurden zu Wohn- und Werkbereichen umgestaltet, der frühere Schankraum dient heute als Ausstellungs- und Konzertsaal. Aus verschiedenen Regionen Deutschlands wurden historische Webstühle zusammengetragen; viele stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Wirtschaftliche Krisen prägten den Betrieb: Zahlungs- und Materialengpässe während der Kriegs- und Nachkriegsjahre führten zu einer Umstellung auf Gebrauchstextilien. In der DDR konnte die Werkstatt ihre künstlerische Produktion weitgehend erhalten, unter anderem durch Ausstellungen im Ostblock und Aufträge für die Filmgesellschaft in Babelsberg. Die Erzeugnisse gehörten zeitweise zur sogenannten Bückware, also Waren, die nicht offen verkauft, sondern diskret ausgegeben wurden. Nach der Wende kam es zu Produktionsunterbrechungen; durch Fördermaßnahmen wurde das Fortbestehen gesichert und das Konzept des aktiven Museums etabliert.
Heute arbeiten 16 Handwebstühle verschiedener Größe im Websaal; einige sind über 150 Jahre alt, der älteste Webstuhl aus dem 18. Jahrhundert steht als Ausstellungsstück. Gezeigt werden traditionelle Verfahren von der Faser zum Garn bis zum Gewebe für Leinen, Wolle, Baumwolle und Seide. Hergestellt werden Meterware, Tisch- und Haushaltswäsche, Gardinen, Schals, Decken und Sonderanfertigungen; regionaltypische Gerstenkorn-Handtücher und aus Entwürfen der Gründerin stammende Tischdecken gehören zum Programm. Das Museum vermittelt handwerkliches Können durch Kurse, veranstaltet jährliche Modenschauen in Leinen und kulturelle Ereignisse vor Ort.