Im Königsbronner Hof in der Reutlinger Altstadt vermittelt das Heimatmuseum Reutlingen die Geschichte der Stadt von der Spätmittelalterzeit bis in die Gegenwart und bildet einen Schwerpunkt der Historischen Museen Reutlingen.
Gegründet wurde die Sammlung 1890 von einem Verein für Kunst und Altertum; erste öffentliche Präsentationen reichen bis 1889 zurück. Die Bestände wechselten zunächst mehrfach ihren Aufbewahrungsort, bevor sie 1939 im heutigen Standort im Königsbronner Hof zusammengeführt wurden. Das Museum wurde 1939 eröffnet, im Verlauf des Zweiten Weltkriegs geschlossen und 1949 wiedereröffnet. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erfolgte eine Neukonzeption und Modernisierung; seit 1996 präsentiert sich das Haus in dieser Gestalt.
Der Königsbronner Hof selbst ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkgebäude der Altstadt. Seine Ursprünge als steinerne Hauskonstruktion datieren auf 1278; 1537 erhielt es einen Fachwerkaufbau. Über lange Zeit diente es als Zehnt- und Pfleghof des Klosters Königsbronn und später als Oberamtshaus.
Die Dauerausstellung ist chronologisch und thematisch gegliedert und umfasst sechs Abteilungen. Im Erdgeschoss steht die mittelalterliche Stadt- und Kirchengeschichte bis zur Reformation im Mittelpunkt, verbunden mit Hinweisen auf das Wirken Matthäus Albers in der Marienkirche. Das erste Obergeschoss behandelt die Zeit der Reichsstadt (16.–18. Jahrhundert) mit besonderer Betonung der Handwerkszünfte und des jährlichen Schwörtags. Im zweiten Obergeschoss thematisiert eine literarische Abteilung die Volksbildungsbewegung des 19. Jahrhunderts sowie die Arbeiten des Wirtschaftstheoretikers und Eisenbahnpioniers Friedrich List und die Schriftstellerfamilie Kurz. Das Dachgeschoss widmet sich dem 19. Jahrhundert als Aufbruch in die Moderne und vermittelt Stadtbild und Alltagsleben durch großformatige Bildkompositionen und zeitbezogene Objekte. Im Untergeschoss werden die Entwicklung und Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft in Reutlingen aufgearbeitet; zahlreiche Exponate stammen aus einer umfassenden Sonderausstellung von 1995, die auch in einem ausführlichen Katalog dokumentiert wurde. Der ummauerte Museumsgarten verbindet Parkanlage und Lapidarium mit steinernen Zeugnissen der Stadtgeschichte aus mehreren Jahrhunderten.
Als Teil der Historischen Museen Reutlingen gehören zudem das Industriemagazin, das Museum "Im Dorf" in Betzingen und das Samenhandelsmuseum in Gönningen zum kommunalen Kulturangebot; sie ergänzen die Stadtgeschichte durch thematische Sammlungen zur Industrie-, Dorf- und Handelstradition.