In Braunschweig bewahrt das Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) eine umfangreiche Kunstsammlung, die etwa 4.000 Werke aus rund 3.000 Jahren Kunstgeschichte zeigt; den Namen trägt das Haus seit 1927 und seine Ursprünge reichen bis zur Eröffnung 1754 zurück.
Die Sammlung entstand aus dem herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett von Herzog Karl I. und war zunächst in städtischen Höfen untergebracht. Schon früh war das Kabinett öffentlich zugänglich und gehörte damit zu den ersten Museen in Deutschland. Teile der naturkundlichen Bestände bildeten später die Grundlage für ein Naturhistorisches Museum.
Im 19. Jahrhundert brachten bauliche Probleme des herzoglichen Schlosses und die napoleonische Besatzung 1806 schwere Verluste mit sich; viele Stücke wurden nach Paris gebracht, kehrten aber nach den Befreiungskriegen zurück. Der Verlust an Ressourcen machte einen repräsentativen Neubau nötig; Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Museum ein neues Gebäude im Stil der italienischen Renaissance, das bis heute sein äußeres Erscheinungsbild prägt und an einen angrenzenden Museumpark grenzt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Bestand nur langsam.
Nach dem Ende des Herzogtums wechselte die Trägerschaft, nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Land Niedersachsen die Verantwortung. 1937 wurden im Zuge der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ fünfzehn Werke aus der Sammlung beschlagnahmt. Während des Krieges blieb das Gebäude weitgehend unversehrt; nach 1945 führten Nutzungen durch die Militärverwaltung und als Verwaltungsbau zu substantiellen Eingriffen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Komplex grundlegend erneuert: Hinter dem historischen Hauptbau entstand 2008–2010 ein Erweiterungsbau mit drei Etagen und rund 4.000 m² für Bibliothek, Archiv, Kupferstichkabinett, Werkstätten, Café und Verwaltung. Das historisierte Hauptgebäude wurde ab 2013 umfassend saniert und mit moderner Ausstellungstechnik ausgestattet; seit der Wiedereröffnung am 23. Oktober 2016 dienen die Räume ausschließlich den Sammlungen und Ausstellungen. Die Mittelaltersammlung wird in der Burg Dankwarderode präsentiert; während der Bauphase waren herausragende Werke in der Sonderschau „Epochal – Meisterwerke des Herzog Anton Ulrich-Museums von der Antike bis zur Gegenwart“ zu sehen. 2024 wurde eine historische Münzsammlung als Dauerleihgabe übergeben; sie soll künftig ausgestellt und für Forschung zugänglich gemacht werden. Das Erdgeschoss bietet einen neu gesicherten Bereich für wechselnde Themenpräsentationen.
Die Bestände gehen auf herzogliche Sammlungen zurück und wuchsen durch Zuzug aus verschiedenen Residenzen. Sie umfassen bronzene Statuen, Kunstkammerobjekte, Möbel, Elfenbeinschnitzereien, eine bedeutende Majolikasammlung nördlich der Alpen, über 200 Emaillearbeiten sowie ostasiatische Objekte. Die Gemäldesammlung wurde insbesondere durch Erwerbungen niederländischer Landschaften und Stillleben erweitert.
Das Skulpturen- und Kunsthandwerk-Depot beruht weitgehend auf herzoglichen Beständen und zeigt unter anderem die Herzog-Julius-Büchse (1580–1585), einen Schreibtisch aus Antwerpen um 1700, eine Spiegeluhr (Augsburg 1649), eine Kugellaufuhr (um 1600) sowie einen höfischen Degen aus dem 18. Jahrhundert.
Das Kupferstichkabinett geht ebenfalls auf die Sammlungengründe von 1754 zurück und bewahrt heute den Schwerpunkt europäischer Graphik vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, mit besonders starken Beständen der niederländischen und deutschen Schulen sowie bedeutenden italienischen Blättern. Der Gesamtbestand umfasst etwa 145.000 Druckgraphiken, knapp 10.000 Handzeichnungen und mehr als 1.000 illustrierte Bücher. Ein Virtuelles Kupferstichkabinett in Kooperation mit der Herzog August Bibliothek macht zahlreiche Blätter online zugänglich; die digitalen Bestände umfassen über 46.000 Beschreibungen und Abbildungen. Aufgrund der Empfindlichkeit von Papierarbeiten werden ausgewählte Blätter regelmäßig gewechselt; ein Studiensaal ermöglicht seit 2010 wissenschaftliche Einsichten und praktische Auseinandersetzung mit druckgraphischen Techniken.