Am Rande von Lübeck-Herrenwyk nimmt das Industriemuseum Herrenwyk die industrielle Vergangenheit der Region in den Blick; es ist im ehemaligen Kaufhaus der Hochofenwerk Lübeck AG untergebracht und verknüpft Ort, Produktion und Arbeitsleben historisch miteinander.
Das Museum dokumentiert vor allem die Arbeit im Hochofenwerk und das Alltagsleben in der Werkskolonie mit einem Schwerpunkt auf den 1920er und 1930er Jahren. Ergänzt wird dieser Fokus durch die Darstellung des Aufstiegs und Niedergangs der Flender-Werft. Als Geschichtswerkstatt erforscht und vermittelt das Haus darüber hinaus die allgemeine Lübecker Industriekultur und die Geschichte der Arbeiterkultur. Träger ist die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck.
Die Sammlung hat ihre Wurzeln in einer Ausstellung von 1983, die vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck gezeigt wurde; der Erfolg dieser Präsentation führte zur dauerhaften Nutzung des Kaufhauses als Museum mit beständigen und wechselnden Ausstellungen.
Im Ausstellungsbestand finden sich Materialien zur sozialen Lage der Beschäftigten, zu politischen Strömungen und zur Vereinsgeschichte. Rekonstruktionen wie ein Kaufmannsladen und eine Schmiede mit historischem Werkzeug veranschaulichen Arbeits- und Lebenswelten; ein Dampf-Schmiedehammer gehört ebenfalls zur Ausstattung. Vorgänge der Produktion werden exemplarisch mit Dokumenten zur Fertigung von U-Boot-Teilen und Einmann-U-Booten bei den Flender-Werken erläutert.
Ein eigener Raum ist der Forschung zu Zwangsarbeit gewidmet: Karten zeigen die in Lübeck tätigen Betriebe, die während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter einsetzten, sowie die Standorte der Lager. Ergänzt werden die Karten durch Eineinzelschicksale in einer Loseblattsammlung, die auch von Angehörigen zur Spurensuche genutzt wird.
Die Depots bewahren Maschinen, Werkzeuge und Gegenstände der Alltagskultur der Arbeiter sowie eine umfangreiche Spielzeugsammlung. Das Archiv umfasst Fotografien, Baupläne, Mitarbeiterkarteien und Tagebücher, darunter Bildbestände zum Hochofenwerk, zur Flender-Werft und zur Lübecker Maschinenbau Gesellschaft.