Im städtischen Kulturgefüge Kölns nimmt das Kölnische Stadtmuseum die Aufgabe wahr, die Geschichte der Stadt über zwölf Jahrhunderte zu bewahren und zu vermitteln. Seit März 2024 hat das Museum vorübergehend sein Domizil im ehemaligen Modehaus Franz Sauer in der Kölner Innenstadt; das Haus liegt zwischen Minoritenkirche, Museum Kolumba und der Breiten Straße.
Gegründet wurde das Haus Ende des 19. Jahrhunderts; seither wechselten Standorte und Sammlungsstrukturen mehrfach. Teile der Bestände wurden in den 1920er Jahren in eine rechte‑rheinische Einrichtung überführt und dort konsolidiert, bevor die Präsentation in den 1930er Jahren unter einem neuen Namen politisch instrumentalisiert wurde. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Sammlung ausgelagert und so erhalten. Nach dem Krieg zog das Museum in das historische Zeughaus zurück und eröffnete dort 1958 wieder. Langfristige Platz‑ und Bausubstanzprobleme führten 2017 zur Schließung der Dauerausstellung; das Modehaus Franz Sauer dient seither als Interimsstandort und wurde im März 2024 wiedereröffnet.
Die Sammlung umfasst rund 350.000 Objekte vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Siegel, Urkunden, Gemälde, Grafiken, Militaria, Münzen, Textilien, Möbel und Alltagsgegenstände sowie eine Judaica‑Sammlung. Zugleich dokumentiert sie zeitgenössische Ereignisse und Alltagskultur anhand konkreter Zeugnisse, von religiösen Objekten und Kunstwerken bis zu Fundstücken aus jüngeren politischen und sozialen Ereignissen. Im neuen Ausstellungsconcept werden nur wenige Hundert Objekte gezeigt; diese werden epochenübergreifend in acht thematischen „Frageräumen“ angeordnet, die Emotionen und Identität als zentrales Deutungsmuster ins Zentrum stellen. Ein komprimierter „Raum der Stadtgeschichte“ vermittelt Kerndaten und Schichten der Kölner Entwicklung anhand markanter Objekte wie dem mittelalterlichen Stadtsiegel, einem Verbundbrief und dem historischen Stadtmodell.
Barrierefreiheit und Inklusion sind integraler Bestandteil der Gestaltung: zweisprachige Texte, taktile Leitsysteme, Braille‑Beschriftungen, kontrastreich gestaltete Texte, taktile Exponate sowie technische Hilfen für Hör- und Sehbehinderte werden breit angeboten. Ergänzend steht eine öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek mit rund 50.000 Medieneinheiten zur Kölner Stadtgeschichte zur Verfügung; Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten.