Das Keltenmuseum Hochdorf/Enz bietet im Eberdinger Ortsteil Hochdorf Einblick in die keltische Besiedlung des Neckarraums; es liegt rund 18 km westlich von Ludwigsburg im Landkreis Ludwigsburg und zeigt vor allem Repliken der bei der Ausgrabung 1978 gefundenen Grabbeigaben sowie eine Einführung in Lebensweise und Handwerk der Kelten.
Am Ortsrand wurde ein hallstattzeitlicher Großgrabhügel rekonstruiert, der ursprünglich um 550 v. Chr. errichtet wurde. Der wieder aufgewölbte Hügel erreicht eine Höhe von etwa sechs Metern und einen Durchmesser von rund 60 Metern. Im Zentrum lag eine aus Eichenholz gefertigte Grabkammer von 4,70 × 4,70 m, die von einer weiteren Kammer umgeben und durch eine rund 50 Tonnen schwere Steinpackung geschützt war. Die Bestattung eines hochrangigen Mannes erfolgte mit reichhaltigen Beigaben; die Lage des Hügels erlaubt einen Blick Richtung Hohenasperg (Grafenbühl). Paläogenetische und isotopenanalytische Untersuchungen aus dem Jahr 2024 belegen eine enge Verwandtschaft des Bestatteten mit dem Zentralbefund vom Hohenasperg, wahrscheinlich ein Onkel–Neffe-Verhältnis über die mütterliche Linie, und zeigen, dass der Verstorbene in der Region aufgewachsen ist. Der Grabhügel blieb lange unentdeckt, da er weithin abgeflacht war; beim Pflügen sichtbare Steine führten zur Grabung.
Das 1991 eröffnete Museumsgebäude nimmt Elemente des Hügels auf: ein Metallbogen an der Fassade symbolisiert den Grabhügel, die nachgebaute Grabkammer liegt unter dem Bogen an der ursprünglichen Stelle. Repliken wurden mit eisenzeitlicher Technik angefertigt; die Originalfunde, darunter das Skelett des Bestatteten, werden im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart verwahrt. Das Haus zeigt außerdem Dokumentationsfilme; nach einer energetischen Erneuerung präsentiert sich das Museum seit Anfang 2024 mit einem neu gestalteten Kinoraum. Im Freilichtbereich nebenan stehen Rekonstruktionen keltischer Gebäude, Vorführungen von Handwerk wie der Eisengewinnung in Rennöfen und Hinweise auf die dichte eisenzeitliche Besiedlung der Region mit über 150 Fundstellen. Im Sommer gibt es Programme zur Eisenzeit; regelmäßig werden Vorträge und wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.
Die unverplünderten Grabfunde umfassen prächtige persönliche Ausstattungen: goldene Fibeln, ein goldener Halsreif mit Reiterfriesen, ein Goldarmring, Gürtelblech, Prunkdolch, goldene Schuhbesätze und ein kegelförmiger Birkenrindenhut. Weitere Beigaben sind Bronzeschnallen, ein Kamm, Rasiermesser, Nagelpfriem, Angelhaken, ein Messer im Täschchen, Bernsteinperlen sowie ein bronzebeschlagener Köcher mit 14 Pfeilen. Der Tote lag auf einer reich verzierten Bronzesitzbank (2,75 m), deren Punzierungen stilistische Bezüge zur Situlenkunst Oberitaliens aufweisen; die Bank war mit Bast und Fellen gepolstert und zeigte Abnutzungsspuren, was auf eine ältere Herkunft hindeutet. Zum Grabschatz gehört ein nahezu vollständiger vierrädriger Prunkwagen mit aufwändiger Beschlagtechnik und zweipferdiger Geschirrausstattung. Im Wagenkasten fanden sich Speise- und Trinkgeräte für neun Personen: drei Bronzebecken, neun Teller, acht an der Wand aufgehängte Trinkhörner und ein großes eisernes Horn für den Verstorbenen (ca. 5,5 l). Ein zusammengefügter griechischer Bronzekessel (ca. 500 l) mit Löwenfiguren stand zu Füßen des Toten und war zu etwa drei Vierteln mit frischem Met gefüllt; darin lagen eine goldene Schöpf- und Trinkschale und Metreste. Besonders bemerkenswert ist das ensembleartig erhaltene Textilgewebe aus Wolle, Hanf und Leinen mit komplexen Bindungen und gebrochenen Farbtönen (blau, gelb, vereinzelt karmesinrot), das als Wandbehang, Sitzauflage und Prunktuch Verwendung fand und für die mitteleuropäische Eisenzeit einzigartig ist.
Im Grabhügel liegen zudem zwei während der Aufschüttung angelegte Nebengräber und eine jüngere Nachbestattung; paläogenetische Befunde zeigen Verwandtschaftsverhältnisse zu Personen anderer Hallstattplätze wie Magdalenenberg und verorten Hochdorf in einem überregionalen Eliten- und Verwandtschaftsnetz im Neckar‑Schwarzwald‑Raum.