Im Industrieensemble von Wuppertal nimmt der Manuelskotten, auch Kaltenbacher Kotten genannt, eine besondere Stellung als einzig erhaltene und noch betriebene, wassergetriebene Schleifstätte der Stadt ein. Die restaurierte Anlage gehört zur städtischen Sammlung des Museum Industriekultur und ist als Baudenkmal geschützt; sie verbindet museale Präsentation mit lebendiger Handwerkspraxis.
Der Kotten steht am Kaltenbach, dessen Quellbereich nahe dem Cronenberger Zentrum liegt und nach einem kurzen Lauf von 2,2 Kilometern in die Wupper mündet. An diesem Bachabschnitt bestanden seit 1692 mehrere wasserbetriebene Betriebe, darunter Hammerwerke, Schleifkotten und eine Mühle; der Manuelskotten ist die jüngste dieser Anlagen. Das Antriebswasser wird über einen Aufstau zum oberschlächtigen Wasserrad geleitet; über Riemen und Zahnräder verteilen sich die Drehkräfte auf mehrere Schleif- und Poliersteine. Zur Ergänzung der Wasserkraft kamen im 20. Jahrhundert zunächst eine Dampfmaschine, später ein Dieselmotor und schließlich ein Elektromotor zum Einsatz.
Die Entstehungszeit des Kottens wird je nach Quelle um 1850 oder 1755 datiert. Ab 1867 wurde die Anlage von einem Besitzer betrieben, dessen Vorname dem Kotten seinen heute gebräuchlichen Namen gab. In der Blütezeit arbeiteten bis zu 28 Schleifer selbständig vor Ort. Nach einem Brand 1901 entstand das Gebäude ein Jahr später wenige Meter bachaufwärts neu; das Sheddach verlieh ihm fortan das Aussehen einer kleinen Fabrik. Im Zuge der Restaurierung gelangte der Kotten 1993 in städtischen Besitz.
Heute dient die Anlage als Industriemuseum und als noch aktive Werkstätte: Auf historischen Schleifvorrichtungen werden nach überlieferter Knienaß-Methode Cuttermesser und Spezialmesser für die Lebensmittelverarbeitung nachgeschliffen; das gezeigte Handwerk besitzt somit keinen rein musealen Charakter. Im Obergeschoss informiert seit 2017 die Ausstellung „Geschichte + Werkzeuge“, ergänzt seit 2020 durch eine Medienstation.