Im historischen Gefüge der Wetterau nimmt das Museum der Stadt Butzbach die Rolle des städtischen Gedächtnisses ein und präsentiert die regionalen Entwicklungen von der Antike bis zur Industrialisierung. Es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Schlossanlagen und kombiniert einen erhaltenen Altbau aus dem 15. Jahrhundert mit einem modernen Anbau. An das Haus sind zudem die Räume des Butzbacher Stadtarchivs angebunden.
Gegründet wurde das Haus 1894/95 als Altertümer- und Trachtenmuseum; lange Zeit betreute ein lokaler Geschichtsverein die Sammlung, seit 1977 erfolgt die hauptamtliche Trägerschaft durch die Stadt. Nach Jahrzehnten in einer gotischen Kapelle entstand Anfang der 1990er Jahre auf dem Areal zwischen den Schlössern ein zeitgemäßes Museumsgebäude mit Flächen für Sonderausstellungen und einem Vortragsraum.
Die Dauerausstellungen gliedern stadtgeschichtliche, archäologische, volkskundliche und wirtschaftshistorische Bestände. Im historischen Kellergeschoss konzentrieren sich Funde der Römerzeit: Zeugnisse des Kastells Butzbach am Wetterau-Limes, Reste eines kleinen Kastells im Stadtgebiet sowie zahlreiche Keramikfunde und Steindenkmäler. Ein im Fußboden eingelassenes Modell veranschaulicht ein großes Kohortenkastell, ergänzt durch rekonstruierte Befunde wie einen Vorratskeller und einen kleinen Mercurius-Altar aus einem Fund von 1913.
Die stadtgeschichtliche Abteilung im ersten Obergeschoss spannt den Bogen von der Stadterhebung 1321 bis zur Residenzzeit unter dem Landgrafen Philipp III. von Hessen-Butzbach; die Präsentation nutzt Modelle, Stadtansichten, Möblierungen und zeitgenössische Skizzen, um diese Epoche zu veranschaulichen. Eine eigene Abteilung widmet sich dem Vormärz und dem Freiheitskämpfer Friedrich Ludwig Weidig sowie dem Umfeld jener politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts und zeigt Originalschriftstücke, Flugschriften und zeitgenössisches Mobiliar.
Im zweiten Obergeschoss liegt der Schwerpunkt auf Trachten aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, die Alltagsszenen wie Taufe, Spinnstube, Hochzeit oder Auswanderung rekonstruieren. Der Neubau beherbergt Ausstellungen zu Handwerk und Gewerbe mit Darstellungen von Webern, Färbern, Gerbern, Töpfern und Zünften sowie eine großflächige Präsentation zur Industrialisierung mit Themen wie Elektrifizierung, regionalen Fabriken und einem großen Fabrikmodell. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Miniaturschuhmuseum mit über 200 Modellen zur Kulturgeschichte des europäischen Schuhs.