Im Schloss Tenneberg in Waltershausen präsentiert das Museum Schloss Tenneberg regionale Geschichte und die Entwicklung der örtlichen Puppenfertigung. Gegründet wurde das Haus 1929 und seither dokumentiert es gesellschaftliche, handwerkliche und industrielle Entwicklungen der Region.
Waltershausen liegt im Landkreis Gotha in Thüringen; ab dem frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Produktionsort der deutschen Puppenindustrie. In den Werkstätten entstanden zunächst Puppen aus Papiermaché und Holz; die Körper wurden später auch aus Stoff und Leder gefertigt, oft als genähte Bälge gefüllt. Die Planung für ein Heimatmuseum begann Ende 1926; nach behördlicher Zustimmung wurde der Rittersaal des Schlosses umgebaut und das Museum am 20. Oktober 1929 eröffnet. Während der DDR-Zeit erhielt die Ferienregion kulturelle Förderung; 1983 richtete eine lokale Puppenfabrik in Teilen des Schlosses Musterzimmer ein, die jedoch nicht zum Museum gehörten.
Das Museum war wiederholt Ziel von Einbruchdiebstählen: 1973 wurde das Dachgeschossmagazin geplündert, dabei ging unter anderem eine Armbrust des Herzogs Johann Casimir verloren. 1991 führten zwei Einbrüche zum Verlust kostbarer Kunst- und Sachgüter, darunter Fayencen, ein sehr altes Tafelbild mit vermutlich der ältesten Darstellung Waltershausens, die Zunftlade der Tischler sowie Zinngegenstände und Walzenkrüge; im zweiten Vorfall des Jahres war die Puppensammlung betroffen. Nach einer umfassenden Sanierung schloss das Haus 1995 und öffnete 1996 wieder; danach rückte die Puppenpräsentation stärker in den Mittelpunkt und die Sammlungen wurden entsprechend ausgebaut.
Die Dauerausstellungen gliedern sich in Stadtgeschichte und städtisches Handwerk und Gewerbe, Volkskunde und Trachten sowie die Geschichte der Puppenindustrie. Gezeigt werden zahlreiche Originalpuppen und die Abfolge der Herstellungstechniken bis zur Gegenwart. 2009 umfasste das Angebot unter anderem die Stadtgeschichte, das Tenneberger Schaumagazin mit Musealien aus Stadtgeschichte, Volkskunde und Kunsthandwerk, eine Darstellung von zwei Jahrhunderten Aufstieg und Niedergang der Waltershäuser Puppenindustrie, Serienpräsentationen zu Zelluloid- und PVC-Puppen sowie Spielzeug und Puppenmöbel vom 19. Jahrhundert bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Besucher können die Ausstellungen in der Regel selbstständig erschließen; ergänzend werden thematische Führungen angeboten.