Beschreibung
Im Ortsteil Lißberg von Ortenberg im hessischen Wetteraukreis bewahrt das Musikinstrumentenmuseum Lißberg eine umfangreiche Sammlung historischer Musikinstrumente mit einem besonderen Schwerpunkt auf Borduninstrumenten.
Das Museum liegt in einem ehemaligen Schulgebäude neben der Kirche und ordnet die Objekte nach Instrumentenfamilien. Gezeigte Entwicklungsstufen sollen die technische und klangliche Geschichte der Instrumente vermitteln; Klangbeispiele unterstützen die Erläuterungen, und an einem rekonstruierten Renaissance-Musiziertisch können Exponate ausprobiert werden.
Ein markanter Sammlungsteil umfasst rund 170 Drehleiern und Dudelsäcke aus verschiedenen Ländern. Die Drehleiern stammen unter anderem aus Schweden und Teilen Osteuropas, die Dudelsäcke aus Regionen wie Schottland, Deutschland, Polen, Italien, Spanien und Nordafrika einschließlich Ägypten. Hervorzuheben ist eine Musette de Cour des französischen Komponisten Nicolas Chédeville (1705–1782).
Zu den herausragenden Stücken zählt das 1575 gefertigte „Nürnbergisch Geigenwerk“ (Streichklavier) von Hans Heyden, ein cembaloähnliches Instrument mit fünf innenliegend angetriebenen Drehleiern, die über eine Klaviatur gespielt werden. Weitere kostbare Exponate sind ein Bassanello aus dem Jahr 1600, bereits in Werken von Michael Praetorius beschrieben, eine spanische Dulzaina, ein tartölt aus deutscher Renaissancezeit, eine Orgelleier sowie eine anthropologisch bemerkenswerte tibetische Flöte aus Menschenknochen.
Gegründet wurde das Museum 1990 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums eines Frankfurter Drehleierbauers. Thematisch liegt der Fokus auf der Entwicklung der Musikinstrumente seit der Zeit von Michael Praetorius und seinem Werk Syntagma musicum (1619).