Das Regionalmuseum Römervilla in Grenzach-Wyhlen macht die Überreste einer ausgegrabenen villa urbana erlebbar und setzt sie in den regionalen Kontext römischer Besiedlung südlich von Freiburg im Breisgau.
Die ausgegrubene Villa liegt im Ortsteil Grenzach im Landkreis Lörrach. Erste Spuren tauchten bereits 1893 bei Wasserleitungsarbeiten auf, darunter eine große Säule aus dem Eingangsbereich. Umfangreichere Grabungen folgten nach Abrissen im Jahr 1983; dabei wurden die Südwestecke des Hauptgebäudes und ein Wasserbassin freigelegt. Sichtbar wurden mehr als zwei Meter hohe Mauerteile, Marmorprofile und Wandmalereireste mit lebensgroßen Figuren aus der römischen Mythologie. Weitere Untersuchungen ergaben Hinweise auf mindestens vier Nebengebäude, die der Ökonomie und Unterbringung des Gesindes dienten; das Anwesen erstreckte sich einst über rund 8 570 m², heute sind große Bereiche durch moderne Gebäude und Straßen überbaut. Einige hundert Meter nordwestlich entdeckte man 1934 Reste einer weiteren Villa, und 1993 sowie 2014 kamen Abschnitte einer römischen Straße zum Vorschein. Wegen der Nähe zur römischen Kolonie Augusta Raurica wird die Anlage als Landsitz eines wohlhabenden römischen Bürgers (villa urbana) gedeutet; der Ortsname Grenzach soll sich möglicherweise vom römischen Carantiacum (Gut des Carantius) ableiten.
Seit 1986 beherbergt ein Schutzbau die Fundstelle und das Regionalmuseum Römervilla; Träger ist die Arbeitsgruppe Archäologie des Vereins für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen, Eigentümerin des Gebäudes ist die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die Funde unterliegen dem Staatseigentum. Der Ausstellungsraum dient zugleich für Konzerte und Kunstausstellungen.
Die Vitrinen zeigen ausgewählte Fundstücke aus Grenzach und 17 weiteren Fundorten im Landkreis Lörrach: ein bronzenes Pferdeköpfchen, Glasgefäße, Muschelornamente in bemalten Stuckleisten (einzigartig in Baden-Württemberg), ein Schlossblech aus Bronze, Bronzefibeln sowie gedrechselte Geräte aus Bein wie Nadeln, Nadelbüchsen und Spinnwirtel. Zu sehen sind Alltagswerkzeuge (Hacke, Ledermesser, Meißel) und Reste gehobener Esskultur (Purpurschneckenhäuser, Austernschalen). Münzen von Vespasian (69–79 n. Chr.) und Septimius Severus (193–211 n. Chr.) sowie Terra Sigillata aus den Töpfereien von La Graufesenque und Rheinzabern deuten auf eine Gründung im 1. Jahrhundert n. Chr. und eine Nutzung bis in das dritte Viertel des 3. Jahrhunderts. Aus einer 1936 teilweise untersuchten Nachbarvilla stammt eine Nemausus-Münze (Nemausus = das heutige Nîmes).
Nach einer Neukonzeption und wissenschaftlichen Katalogisierung der Bestände wurde das Museum 2011 als Regionalmuseum wiedereröffnet; seither liegt ein Schwerpunkt auf der römischen Alltagskultur. Ergänzt wird die Ausstellung durch großformatige Bilddarstellungen der nahegelegenen Römerstadt Augusta Raurica.