Am Rand der antiken Fernstraße Via Belgica, im Kölner Stadtteil Weiden, liegt das Römergrab in der Aachener Straße 1328 – eine unterirdische römische Grabkammer (Hypogäum) aus dem 2. Jahrhundert, die Zeugnis wohlhabender Bestattungspraktiken nördlich der Alpen ablegt.
Römische Begräbnisstätten befanden sich üblicherweise entlang von Ausfallstraßen, sodass Reisende den Verstorbenen gedenken konnten. Etwa neun Kilometer vor dem Westtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium stand an dieser Strecke eine repräsentative Grabkammer, die zu einer nahegelegenen Villa rustica gehörte und mehrere Generationen einer wohlhabenden Familie aufnahm. Ein schlichteres Vergleichsbeispiel an der Agrippa-Straße Köln–Trier ist das Römergrab in Efferen.
Bei Bauarbeiten 1843 wurde die unterirdische Anlage zufällig freigelegt; eine zuvor verschlossene Steinplatte wurde zerstört, wodurch zunächst Schutt sichtbar wurde. Nach weiteren Grabungen wurde das Grundstück 1844 für das Königreich Preußen erworben und die Grabkammer rekonstruierend gesichert. Ergänzte Bauteile wurden bewusst mit anderen Materialien ausgeführt, sodass Originalsubstanz und Restaurierung erkennbar bleiben. Ein Schutzbau samt Wärterhaus entstand, der Zugang wurde 1848 für Besucher geöffnet. Nach der Eingemeindung Weidens nach Köln übernahm das Römisch-Germanische Museum die Zuständigkeit; seither wurden konservatorische Maßnahmen umgesetzt.
Die Kammer liegt etwa sechs Meter unter der Oberfläche; die Wände sind aus großen Brohltaltuff-Blöcken ohne Mörtel geschichtet, das Tonnengewölbe ruht auf vermörtelten Tuffquadern. Der Fußboden besteht ebenfalls aus Tuffplatten, die Türfassung aus rotem Buntsandstein. Die Verschlussplatte mit montiertem Bronzering wurde bei der Entdeckung zerstört. Das Hypogäum misst 3,60 × 4,40 Meter; die lichte Höhe unter dem Gewölbescheitel beträgt 4,06 Meter. Drei große konchenartige Nischen mit Marmoreinfassungen enthalten eingelassene Klinen; darunter liegende, arkosolienähnliche Kammern sind für Leichenbestattungen zu klein und daher wohl symbolisch. An den Seitenwänden finden sich 29 kleinere Nischen für Urnen und Opfergaben, was die Nutzung als Columbarium belegt. Vom obertägigen Bau blieben nur fragmentarische tuskische Säulenstücke erhalten.
Die Ausstattung macht das Grab zu einem der bedeutendsten Grabbauten der römischen Kaiserzeit nördlich der Alpen. Vor den Seitennischen standen steinerne, korbähnlich gestaltete Sitzmöbel (cathedra) vor den Klinen, was zusammen den Eindruck eines römischen Tricliniums erzeugt; solche steinernen Möbel sind in den Nordprovinzen einzigartig. Ein Wannensarkophag aus Carrara-Marmor mit figürlichen Reliefen (vermutlich Jahreszeiten) und ein hochwertig reliefierter, ursprünglich größerer Marmordeckel wurden entdeckt; beide Stücke gelten als Importe aus Rom und datieren kunstgeschichtlich ins späte 3. Jahrhundert. Da der Sarkophag nicht durch den Zugang in die Kammer passte, dürfte er aus dem obertägigen Bau in das Hypogäum gestürzt sein. Drei Porträtbüsten aus dem späten 2. Jahrhundert (Mann, Frau, junges Mädchen) deuten auf Angehörige der Besitzerfamilie hin; Inschriften fehlen. Zu den dokumentierten Kleinfunden zählten Glasgefäße, eine Vierkantflasche mit Salzrückstand, Bernsteinperlen, eine Silberschale und eine 10,2 cm hohe Chalcedonfigur einer jungen Frau in Chiton und Mantel; viele dieser Objekte wurden nach Berlin gebracht und gingen im Zweiten Weltkrieg größtenteils verloren.
Funde und Stilvergleiche erlauben eine Datierung des unterirdischen Hypogäums ins 2. Jahrhundert. Der eingelagerte Marmorsarg gehört hingegen ins späte 3. Jahrhundert; eine Münzreihe mit einer Schlussmünze des Constantius II. weist auf eine Nutzung oder Frequentierung der Anlage bis ins 4. Jahrhundert hin.
Das Grab liegt im Stadtteil Weiden; die gleichnamige Stadtbahnhaltestelle der Kölner Verkehrs-Betriebe (Linie 1) wurde 2019 in „Römergrab“ umbenannt.