Stift Fischbeck

Im Stift 6 a, 31840 Hessisch Oldendorf, Deutschland

Wo Sie uns finden:

Straße
Im Stift 6 a
PLZ/Ort
31840 Hessisch Oldendorf
Land
Deutschland
Telefon
05152/8603
Fax
05152/962489

Web
http://www.stift-fischbeck.de/

Beschreibung

Am Ufer der Weser in Hessisch Oldendorf liegt das Stift Fischbeck (auch Visbeck), ein historisches Kanonissenstift mit über tausendjähriger Kirchengeschichte und fortdauernder religiöser Nutzung.

 

Gegründet wurde das Stift 955 von der Edelfrau Helmburg aus dem sächsischen Geschlecht der Ecbertiner und erhielt früh Schutz- und Gründungsrechte durch Kaiser Otto I. Spätere Könige bestätigten diese Privilegien, und trotz zeitweiser Schenkungen an andere Klöster konnte Fischbeck seine Eigenständigkeit wahren. Im 13. Jahrhundert erfolgte eine Umwandlung in ein reguliertes Augustinerinnenstift; Reformen des 15. Jahrhunderts führten zur Wiederaufnahme des Chordienstes und zur strengen Klausur. Im Zuge der Reformation wurde ab 1559 lutherischer Gottesdienst eingeführt; ein Vertrag von 1566 sicherte den Fortbestand des Stifts und wandelte es in ein evangelisches adliges Damenstift. Kriegs- und politische Umbrüche, darunter Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg, Aufhebungen und Wiederherstellungen im 19. Jahrhundert sowie die Zugehörigkeit zu verschiedenen Herrschaftsgebieten prägten die Institution. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nimmt die Klosterkammer Hannover staatliche Aufgaben für das Stift wahr. Heute leben hier Frauen in christlicher Gemeinschaft und engagieren sich kirchlich, sozial und kulturell.

 

Die Stiftskirche entstand im frühen 12. Jahrhundert als dreischiffige Kreuzbasilika mit Westriegel und Krypta; nach einem Brand 1234 wurden vor allem Chor und Langhaus umgestaltet. Apsis, Sockel des Chorquadrats und Westriegel sind in Quadermauerwerk ausgeführt, Langhaus und Querschiff in verputztem Bruchsteinmauerwerk. Die Apsis zeigt eine reiche Gliederung mit länglichen Sechspassfenstern, die an rheinische Schlüssellochformen erinnern. Das Mittelschiff wird von einer hohen Arkadenreihe geprägt; die niedrigen Seitenschiffe schließen mit Balkendecken ab. Die älteste Bauteile bilden die dreischiffige Hallenkrypta um 1120 mit ungewöhnlichen, aus einem Stück gearbeiteten Vierlingssäulen; der darüberliegende Chor wirkt dadurch auffallend erhöht. Eine Kuppel in der Vierung datiert von Anfang des 20. Jahrhunderts.

 

Eine umfassende Renovierung Anfang des 20. Jahrhunderts, finanziell unterstützt durch kaiserliche Zuwendungen und Spenden, betonte den romanischen Charakter und ergänzte den Innenraum mit einer auf mittelalterlichen Vorbildern beruhenden ornamental-floralen Ausmalung; die Holzdecke trägt einen Reichsadler, im Chor und der Apsis finden sich biblische Bildthemen.

 

Die künstlerische Ausstattung umfasst wenige Originale vor der Reformation, dafür herausragende mittelalterliche Werke: ein im Vorportal gefundenes Tympanon mit Bild Christi, ein Kopfreliquiar in Kopie (Original im Kestner-Museum Hannover), ein Triumphkreuz aus dem 13. Jahrhundert, eine lebensgroße Holzfigur einer Frau aus dem 14. Jahrhundert sowie ein Grabdenkmal von 1360 mit Darstellungen der Schaumburger Grafenfamilie. Weitere Werke sind ein Adlerlesepult (14. Jahrhundert), spätmittelalterliche Figuren, ein Wandteppich von 1583 mit Gründungsdarstellungen und barocke sowie frühneuzeitliche Ausstattungsstücke wie Kanzel und Taufbecken.

 

Die Orgel geht auf ein Werk von 1736 zurück (ursprünglich 27 Register) und wurde zeitlich überarbeitet; 2007 wurde das Instrument neu aufgebaut und auf 32 Register erweitert. Im Westwerk hängen acht Glocken aus fünf Jahrhunderten, darunter eine Zuckerhutglocke aus dem 13. Jahrhundert; bei einer Sanierung 2014 wurden Glocken und Glockenstuhl erneuert.

 

Südlich der Kirche liegen die historischen Klausur- und Wirtschaftsgebäude um den Kreuzhof: ein Ostflügel des 19. Jahrhunderts mit Wohnungen, ein vermutlich im 13. Jahrhundert entstandener Westflügel mit ehemaligen Schlaf- und Versammlungsräumen sowie ein südlicher Flügel mit früheren Küchen und Refektorium. Das südliche Abteigebäude von 1783 in Fachwerkform bleibt Wohnsitz der Äbtissin; ein Verbindungsbau aus den Jahren 1888/89 diente als Wohnhaus der Stiftsdamen.

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