Die Völklinger Hütte in Völklingen (Saar) steht als erhaltenes Industrieensemble für die Roheisenerzeugung des 19. und 20. Jahrhunderts und bildet heute ein Zentrum der europäischen Industriekultur.
Das Gelände liegt südwestlich der Innenstadt unmittelbar am Bahnhof Völklingen; die früheren Gleisanlagen dienten dem Transport von Rohstoffen und Personen zur Hütte. Gegründet wurde der Betrieb 1873 als Puddel- und Walzwerk; nach einem vorübergehenden Stillstand übernahmen in den 1880er-Jahren die Gebrüder Röchling die Anlagen und bauten die Produktion aus. Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Werke zu den bedeutenden Herstellern von Eisenträgern in Deutschland. Die Einführung des Thomas-Verfahrens ermöglichte die Verhüttung der regionalen Minette bis 1963. Technische Ergänzungen wie Koksbatterien, Gasgebläse und eine Hängebahnanlage prägten die Entwicklung; 1911 wurde die weltweit erste Trockengasreinigung eingeführt, die Gichtgas nutzbar machte.
Die Hütte durchlief Kriegs- und Nachkriegsphasen: Im Ersten Weltkrieg kamen Hunderte Zwangsarbeiter und Gefangene zum Einsatz; mindestens 143 starben. Ein Hochofenunglück von 1928 forderte 13 Todesopfer. Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten tausende Zwangsarbeiter in der Region; 261 von ihnen verstarben in der Hütte. Nach mehrfacher Sequestrierung und verschiedenen Unternehmenszusammenschlüssen reduzierte sich die Produktion in Folge der Stahlkrise; die Produktion wurde 1986 eingestellt, wenige Tage zuvor wurde die Hochofenanlage unter Denkmalschutz gestellt. Anfang der 1990er-Jahre öffnete das Areal für die Öffentlichkeit und wurde Veranstaltungsort für Konzerte, Theater und Ausstellungen.
1994 erklärte die UNESCO die Roheisenerzeugung der Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe; das Kernareal umfasst 7,46 Hektar. Auf dem Gelände entstand ein europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur; Lichtinstallationen und die Umstellung auf moderne LED-Steuerung gestalten nächtliche Szenarien. Seit 2004 ergänzt das ScienceCenter Ferrodrom die Vermittlung mit multimedialen Exponaten zur Kulturgeschichte des Eisens.
Besucher können Schlüsselbereiche besichtigen: die Sinteranlage mit dem UNESCO-Besucherzentrum, die Erzhalle und die Möllerhalle mit Ausstellungsflächen sowie die Hochofengruppe mit Gichtbühne, Winderhitzern, Kokerei, Gebläsehalle und Gasometern, die zusammen den Produktionsprozess anschaulich machen.