Die Alte Ziegelei in Mainz-Bretzenheim nimmt als Industriedenkmal eine bedeutende Rolle im regionalen Kulturraum ein und gehört zur Route der Industriekultur Rhein-Main Mainz.
Das Areal liegt am Standort ehemaliger Tonvorkommen und zeigt die Spuren einer lokalen Ziegelproduktion, die sich vom einfachen Feldbrandofen bis zur maschinellen Fertigung entwickelte. Ende des 19. Jahrhunderts betrieb Nikolaus Tremmel dort einen Feldbrandofen; 1904 finanzierte Ludwig Anselm Rosbach den Bau eines Hoffmannschen Ringofens und leitete so die Industrialisierung der Ziegelei ein. 1922 folgte eine Modernisierungsphase mit dem Bau von Arbeitgeberwohnungen und Nebengebäuden. Nach der Einstellung der Produktion 1972 verfiel das Gelände.
Auf städtische Initiative und bürgerschaftliches Engagement hin erwarb die Stadt Mainz 1978 das rund 190.000 m² große Gelände mit den vorhandenen Bauten. 1980 formierte sich der Verein der Ziegeleifreunde Mainz mit dem Zweck, das Industriedenkmal zu bewahren und die Entwicklung zu einem nichtkommerziellen Bildungs-, Freizeit- und Kulturzentrum zu fördern. 1992 wurde die Alte Ziegelei als Industriedenkmal und Denkmalzone unter Schutz gestellt.
Heute hat sich das Ensemble zu einem vielfältig genutzten Ort gewandelt. Neben dem Ziegelmuseum sind auf dem Gelände eine Außenstelle der Volkshochschule, ein Ziegeleikindergarten, eine Theaterwerkstatt sowie Räume für das CJD und den BUND eingerichtet; Teile des Areals dienen auch als Unterbringung für Geflüchtete.
Das Ziegelmuseum entstand aus Funden zweier Hobbyarchäologen und nutzt den zentralen Bereich über dem historischen Ringofen. In dem etwa 600 Quadratmeter großen Raum, von dem aus früher feinkörnige Kohle in die Brennkammern eingebracht wurde, präsentiert das Museum heute seine Sammlung. Über 900 Dachziegel und Backsteine dokumentieren die Technik und Formen von der Prähistorie bis zur Gegenwart und veranschaulichen damit rund 4.000 Jahre Material- und Baugeschichte.