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Neu: niedersorbisches Gesangbuch aus dem Jahr 1786

01. Oct 2017
Musikhistorische Sammlung Jehle

Wohleingerichtetes wendisches Gesangbuch, in welchem 442 der geistreichsten Ge­sänge. Nebst einem Neuen Anhange, von 124 der neusten ausgesuchten und erbaulich­sten Lieder zu finden, welche bishero nur geschrieben sind gesungen worden, nun­mehro aber, um mehrerer Uebereinstimmung und Ordnung willen zum Gebrauch bey dem öffentlichen Gottesdienste auf Verlangen dem Druck übergeben. Cottbus, im Kühnischen Verlage zu bekommen, 1786.

Inhalt: Titelblatt-Rückseite: „Die Gesänge nach der Pagina.“; S. 3-556: Kopfvignette, 442 numerierte Lieder ohne Noten; S. 557-714: bis 562 weiternumerierte Lieder ohne Noten; 16 unpag. S.: „Hauptregister des wendischen Gesangbuchs, wie auch der Lieder im neuen Anhange.“, am Ende „Ende“ und Schluß­vignette; 18 unpag. S.: „Rekotare Bàtowañs’tich Bárlynskich spiwarskig Knyglow. Jadño saitschne Bato­wañe“, auf der letzten Seite + 4 nachfolgende unpag. S.: „Rekotare woßebne Bàtowañe wœ [eigentlich e über o] schakich Umstandach.“; 1 unpag. S.: „Modlenne pschi tom Hußeschu a Hobschiknowannu teje Rohlè.“; 1 unpag. S.: „Zerkowañe sa to Żognowañe Żñow.“; 1 unpag. S.: „Modleñe jadneje chorrei Per­soni.“; 2 unpag. S.: „Zerkowañe jadneje tackeje Parschonei kottaruż Bogh saßej wot Choroscżi jo pomo­gal.“ und „Modlene jadnogo Koscheschziana kottariz ße teje Smerschi pschibliża.“; 3 unpag. S.: „Modleñe jadnei Żonskei kotara ßama drugga jo.“ und „Schedno Pschawidlo togo Zuewena [eigentlich e über u] pscheschiwo Bobgu a pscheschiwo ßebe.“; 2 unpag. S. vakat

Beschreibung: Einband vermutlich rund 50 Jahre jünger: gold- und blindgeprägtes schwarzes Leder, beide Deckel von einer opulenten feinziselierten blindgeprägten floralen Komposition um eine Art Wappen­schild eingefaßt, im Wappenschild goldgeprägt „Dein / Lebe[!] lang / habe Gott / vor Augen / und / im Herzen“ (vorn) bzw. eine feinziselierte goldgeprägte Vignette: Kreuz, Bibel oder Gesangbuch, belaubte Zweige (hinten), Rücken feingenarbt, von 3 waagrechten Scheinbünden (an den Kapitalen wiederholt) in 4 leere Fächer geteilt, Gelbschnitt, dünner chamoisfarbener Vorsatz, Format 10,2 x 16,2 cm, Umfang 714/(16)/(32)

Geschichte: Sorbisch, eine westslawische Sprache, früher auch Wendisch genannt, wird vor allem in der Ober und Niederlausitz gesprochen und entsprechend in Obersorbisch und Niedersorbisch geteilt, im Grenzgebiet existieren Übergangsdialekte. Obersorbisch wird in der Oberlausitz gesprochen, also im Gebiet Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda (die Musikhistorische Sammlung Jehle verfügt seit neuestem auch über ein obersorbisches Gesangbuch aus dem Jahr 1854 →Inv.: D.II.Ge.770). Im niedersorbischen Sprachgebiet dagegen leben allenfalls noch ca. 7000 Sprecher: in Cottbus und einigen Dörfern der Umgegend, in der Gegend von Vetschau, Lübbenau und Spremberg; Orts- und Straßenschilder etc. in sind auch der Niederlausitz heute noch zweisprachig, die Sprache kommt im täglichen Gebrauch aber quasi nicht mehr vor. Früher sprach man Niedersorbisch auch in Frankfurt/Oder, Calau, Lübben, Senftenberg, auch in den heute polnischen Gebieten um Sorau, Sommerfeld und Ziebingen, und sogar in Berlin

Provenienz: im September 2017 bei Ebay

Inv.: D.II.Ge.772

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