Karl-Heinz Weis (1927–2025) gehörte zu den herausragenden Medizinern am Universitätsklinikum Würzburg. Mit nicht geringerer Begeisterung und staunenswertem Fachwissen brillierte er als Kunsthistoriker. Für das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg war er jedoch vor allem eines: ein außergewöhnlich treuer, engagierter, großzügiger Mäzen. Nun zeigt das Museum, das von seinen Schenkungen jahrzehntelang profitiert hat, eine Auswahl dieser Werke. Sie spiegeln nicht nur Weis‘ persönlichen Geschmack, sondern bahnen auch einen Weg zu seinem facettenreichen Kunstverständnis, das stets auf die existenziellen Grundlagen des Menschseins gerichtet war.
In den Gemälden von Ursula Jüngst halten sich das Gestalten der Welt und das Reflektieren ihrer inneren Zusammenhänge die Waage. Daraus geht eine Schönheit hervor, die weder leerem Ästhetizismus noch politischem Aktivismus das Wort redet. Vielmehr schützt sie das Humanum, das so bedroht ist wie lange nicht, durch Einklang mit den Rhythmen der Welt. Wer diese Bilder aufmerksam betrachtet, taucht in die Grundlagen des Lebendigen ein, die allen Menschen gemeinsam sind. Dadurch enthalten sie etwas spontan Verbindendes und zutiefst Versöhnliches. Zeitgemäßer geht es angesichts der bedrohlichen Zeitläufte kaum – wenn das, was die Gegenwart braucht, den Maßstab für ‚Aktualität‘ abgibt.
Mit ihrer menschenfreundlichen und universal orientierten Motivation traf die Malerin in Giambattista Tiepolo auf einen Verbündeten. Wer mit Ursula Jüngst einmal das Treppenhaus der Würzburger Residenz durchquerte, konnte sofort bemerken, wie innig sie die Verwandtschaft mit dem Venezianer des 18. Jh. unter dessen Weltfresko empfand. Es wurde eine Wahlverwandtschaft daraus, die den Auslöser und den Hintergrund dieser Ausstellung bildet.
Das Martin von Wagner Museum ist, seinen Beständen und seinem Auftrag gemäß, ein Haus für die ältere Kunst. In den seltenen Fällen, da wir Gegenwartskunst zeigen, muss eine besondere Beziehung entweder zu seinen Sammlungsschwerpunkten oder zum Ort vorliegen, an dem sie ihr Domizil haben. In diesem Fall gab der genius loci – die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz– den Ausschlag, doch verbinden sich die ausgestellten Werke Ursula Jüngsts auch mit den Gemälden und Zeichnungen Tiepolos in unsererem Bestand. Wir haben daher nicht gezögert, als die Möglichkeit einer Ausstellung ihrer Gemälde im Raum stand – genauer: derjenigen ihrer Gemälde, die entweder unter dem Eindruck der Würzburger Fresken entstanden sind oder im weiteren Sinne die künstlerische Affinität offenbaren.
Wie umgehen mit den täglichen Sorgen und Nöten der Existenz? Die Kulturen des Alten Orients, Ägyptens und der griechisch-römischen Welt kannten darauf vor allem eine Antwort: Magie! Die Ausstellung gibt Einblick in menschliche Albträume, Abgründe und Erfolgsrezepte vom Amulett bis zum Zaubermesser…